Snap Specs

Die Snap Specs, offiziell als SPECS vermarktet, sind eine vollständig eigenständige Augmented-Reality-Brille, mit der Snap den Schritt von klassischen Smartglasses hin zu einem tragbaren Spatial Computer machen möchte. Statt lediglich Fotos aufzunehmen, Musik wiederzugeben oder Benachrichtigungen anzuzeigen, können SPECS digitale Objekte, Anwendungen, Navigation, Übersetzungen, Videos und KI-Informationen räumlich in die reale Umgebung einblenden. Dafür kombiniert die Brille transparente Waveguide-Displays mit zwei Snapdragon-Prozessoren, Kameras und Computer Vision, Handtracking, Sprachsteuerung, Open-Ear-Audio und einem speziell für räumliche Anwendungen entwickelten Betriebssystem.

Anders als viele leistungsfähige AR-Systeme benötigt die Brille keinen externen Compute-Puck und kein permanentes Kabel zu einem Smartphone oder Computer. Prozessoren, Displays, Sensoren, Akku und Audiotechnik befinden sich direkt im Rahmen. Dadurch können SPECS grundsätzlich als eigenständiger Computer getragen werden und digitale Inhalte in der Umgebung platzieren.

Mit einem Gewicht ab 132 Gramm, einem Sichtfeld von 51 Grad und einer Akkulaufzeit von bis zu vier Stunden bei gemischter Nutzung sind SPECS deutlich kompakter als klassische Mixed-Reality-Headsets. Gleichzeitig sind sie aber noch wesentlich größer und schwerer als normale Alltagsbrillen oder einfache Kamera-Smartglasses. Snap positioniert das Gerät deshalb als neue Zwischenklasse: leistungsfähiger als klassische KI-Brillen, aber deutlich leichter und offener als ein geschlossenes XR-Headset.

Transparentes Vollfarb-AR-Display

Das zentrale Element der SPECS ist ein transparentes Vollfarbdisplay, das digitale Inhalte direkt über die reale Welt legt.

Snap verwendet dafür eine eigene Liquid-Crystal-on-Silicon-Technologie – kurz LCoS – in Verbindung mit transparenten Waveguides. Die winzigen Projektoren erzeugen das digitale Bild, während die Waveguides das Licht durch Milliarden mikroskopisch kleiner Strukturen in Richtung der Augen führen.

Im Gegensatz zu einer VR-Brille bleibt die reale Umgebung dabei direkt sichtbar. Es wird kein Kamerabild der Außenwelt benötigt, um durch die Brille sehen zu können.

Digitale Objekte können dadurch beispielsweise auf einem Tisch stehen, Navigationshinweise auf einer Straße erscheinen oder virtuelle Fenster innerhalb eines Raumes positioniert werden.

16 Millionen Farben

Das Display kann rund 16 Millionen Farben darstellen.

Damit unterscheiden sich SPECS deutlich von einfachen HUD-Smartglasses, die häufig lediglich monochrome grüne Informationen anzeigen.

Vollfarbige Darstellung ist insbesondere für komplexere Augmented-Reality-Anwendungen wichtig. 3D-Modelle, Spiele, Videos, Internetseiten oder räumliche Benutzeroberflächen können dadurch wesentlich natürlicher dargestellt werden.

SPECS bewegen sich damit stärker in Richtung eines vollständigen Spatial Computers als einer klassischen Benachrichtigungsbrille.

51 Grad Sichtfeld

Das transparente Display besitzt ein diagonales Sichtfeld von 51 Grad.

Damit ist die digitale Fläche deutlich größer als bei vielen bisherigen Smartglasses. Snap vergleicht den wahrgenommenen Arbeitsbereich mit einem 24 Zoll großen Desktop-Monitor.

Bei Medieninhalten soll die Wahrnehmung ungefähr einem 115 Zoll großen Bildschirm aus rund drei Metern Entfernung entsprechen.

Für transparente AR-Technik ist ein 51-Grad-Sichtfeld bereits vergleichsweise groß. Es ist allerdings weiterhin deutlich kleiner als das Sichtfeld geschlossener VR- und Mixed-Reality-Headsets.

Digitale Objekte können deshalb aus dem sichtbaren Displaybereich verschwinden, wenn du den Kopf wegdrehst. Die räumliche Position bleibt trotzdem erhalten und der Inhalt erscheint wieder, sobald du dich erneut in seine Richtung bewegst.

Neuer Waveguide mit Milliarden Nanostrukturen

Für SPECS hat Snap sein Waveguide-System neu entwickelt.

Innerhalb der transparenten Optik befinden sich Milliarden winziger Nanostrukturen, die das Licht der Projektoren so umlenken, dass das virtuelle Bild innerhalb des Sichtfeldes sichtbar wird.

Die Strukturen sind extrem klein. Nach Angaben von Snap könnten mehr als 10.000 davon auf die Spitze eines einzelnen menschlichen Haares passen.

Diese Technologie soll gleichzeitig ein möglichst großes Sichtfeld, geringe Verzerrungen und eine hohe Transparenz ermöglichen.

Gerade der Waveguide gehört zu den technisch anspruchsvollsten Komponenten einer echten AR-Brille, da digitale Bilder sichtbar sein müssen, ohne den normalen Blick auf die Umgebung zu blockieren.

Elektrochrome Gläser

Zusätzlich verfügen SPECS über elektrochrome Gläser.

Die Transparenz kann elektronisch verändert werden. Innerhalb von ungefähr zehn Sekunden wechseln die Gläser zwischen einer relativ klaren und einer stärker getönten Darstellung.

Das Prinzip ähnelt elektrochromen Fenstern, wie sie beispielsweise auch in modernen Flugzeugen eingesetzt werden.

Die Abdunklung ist für Augmented Reality besonders wichtig. In heller Umgebung konkurrieren virtuelle Inhalte mit dem Licht der realen Welt. Werden die Gläser stärker getönt, hebt sich das digitale Bild deutlicher vom Hintergrund ab.

Drinnen können die Gläser wiederum transparenter werden, damit die reale Umgebung möglichst natürlich sichtbar bleibt.

Vollständig eigenständiger Spatial Computer

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Snap Specs ist ihre Standalone-Architektur.

Die Brille benötigt für ihre grundlegenden AR-Funktionen weder einen Computer noch einen separaten Prozessor in der Hosentasche.

Damit unterscheidet sie sich von zahlreichen XR-Brillen, bei denen lediglich Displays und Sensoren am Kopf getragen werden, während Smartphone, Notebook oder Compute-Pack die eigentliche Rechenarbeit übernehmen.

SPECS integrieren die notwendige Rechenhardware direkt in die Bügel.

Das erhöht Gewicht und Energieverbrauch, macht die Brille im Alltag dafür wesentlich unabhängiger.

Zwei Snapdragon-Prozessoren

Snap verwendet eine Dual-Snapdragon-Architektur.

Statt sämtliche Aufgaben mit einem einzigen Prozessor zu berechnen, verteilt das System unterschiedliche Bereiche auf zwei Chips.

Einer der Prozessoren konzentriert sich stark auf Computer Vision und die Wahrnehmung der realen Umgebung, während der zweite unter anderem die eigentlichen AR-Erlebnisse beziehungsweise Lenses verarbeitet.

Diese Aufteilung soll hohe Leistung ermöglichen, ohne den Stromverbrauch und die Wärmeentwicklung unnötig zu steigern.

Die Brillenbügel übernehmen dabei gleichzeitig einen Teil der Wärmeableitung.

7 Millisekunden Motion-to-Photon-Latenz

Für räumliche Augmented Reality ist eine niedrige Verzögerung besonders wichtig.

Snap gibt für SPECS eine Motion-to-Photon-Latenz von etwa sieben Millisekunden an.

Dieser Wert beschreibt vereinfacht die Zeit zwischen einer erkannten Bewegung und der entsprechenden sichtbaren Aktualisierung des digitalen Inhalts.

Drehst du beispielsweise deinen Kopf, müssen virtuelle Objekte möglichst schnell neu berechnet werden. Bei zu hoher Verzögerung würden sie sichtbar hinterherziehen oder innerhalb der realen Umgebung instabil wirken.

Eine niedrige Latenz hilft deshalb dabei, digitale Objekte glaubwürdiger mit der physischen Welt zu verbinden.

6DoF für echtes Spatial Computing

SPECS sind nicht nur ein Head-up-Display. Die Brille kann Bewegungen räumlich verfolgen und virtuelle Inhalte innerhalb der Umgebung positionieren.

Dafür kommt 6DoF-Tracking – Six Degrees of Freedom – zum Einsatz.

Das System erkennt sowohl Drehbewegungen als auch Positionsveränderungen nach vorne, hinten, links, rechts, oben und unten.

Du kannst dich dadurch beispielsweise um ein virtuelles Objekt herumbewegen oder einen digitalen Bildschirm an einer bestimmten Stelle im Raum platzieren.

Genau darin liegt der wesentliche Unterschied zu einfacheren Display-Brillen mit 3DoF, die lediglich erkennen, wohin der Kopf gedreht wird.

Die reale Umgebung wird räumlich erfasst

Kameras und Sensoren ermöglichen es den SPECS, ihre Umgebung räumlich zu verstehen.

Das System kann reale Oberflächen und Strukturen erfassen und daraus ein räumliches Modell erstellen.

Dadurch können digitale Objekte beispielsweise auf einem Tisch stehen, hinter einem realen Gegenstand verschwinden oder auf die Geometrie eines Raumes reagieren.

Dieses Scene Meshing gehört zu den grundlegenden Technologien für glaubwürdige Augmented Reality.

Statt lediglich eine virtuelle Grafik über das Sichtfeld zu legen, kann die Software berücksichtigen, welche realen Objekte sich zwischen Nutzer und digitalem Inhalt befinden.

Handtracking statt Controller

SPECS benötigen keinen klassischen VR-Controller.

Die Bedienung erfolgt vor allem über Handtracking und Sprache.

Kameras erkennen Hände und Finger und übertragen deren Bewegungen auf die Benutzeroberfläche. Dadurch lassen sich virtuelle Elemente beispielsweise auswählen, verschieben oder aktivieren.

Snap setzt stark auf natürliche Gesten, damit die Brille ohne zusätzliche Eingabegeräte verwendet werden kann.

Das Konzept soll räumliches Computing näher an die Art bringen, wie Menschen mit realen Gegenständen interagieren.

Steuerung mit der Stimme

Neben Gesten spielt Sprachsteuerung eine zentrale Rolle.

Befehle können gesprochen werden, ohne eine physische Taste oder einen Controller zu verwenden.

Gerade bei KI-Funktionen ist diese Art der Bedienung sinnvoll: Du kannst eine Frage stellen und die entsprechende Antwort direkt vor deinen Augen erhalten.

Gesten und Sprache ergänzen sich dabei. Sprache eignet sich besonders für komplexe Anweisungen, während Handbewegungen für Auswahl und räumliche Manipulation natürlicher sein können.

SPECS OS

Als Betriebssystem verwendet die Brille SPECS OS, das aus der früher als Snap OS bekannten Plattform hervorgegangen ist.

Das System wurde speziell für räumliches Computing entwickelt und ist nicht einfach eine Smartphone-Oberfläche, die auf ein transparentes Display übertragen wurde.

Anwendungen werden innerhalb der räumlichen Umgebung dargestellt und können mit Händen und Sprache bedient werden.

Für Entwickler bleibt Lens Studio ein zentraler Bestandteil der Plattform. Darüber lassen sich Augmented-Reality-Anwendungen für SPECS entwickeln.

Hunderte AR-Lenses

Snap hat bereits vor der Consumer-Einführung mehrere Generationen seiner Spectacles an Entwickler verteilt.

Dadurch existiert zum Start der neuen Plattform bereits ein vergleichsweise umfangreiches Entwicklerökosystem.

Hunderte Lenses wurden bereits für die AR-Plattform entwickelt.

Das Spektrum reicht von Spielen und Lernanwendungen über Navigation und Produktivität bis zu gemeinsamen räumlichen Erfahrungen.

Der Begriff Lens bezeichnet bei Snap längst nicht mehr ausschließlich einfache Snapchat-Filter. Auf SPECS können Lenses vollständige räumliche Anwendungen darstellen.

Gemeinsame AR-Erlebnisse

Eine besondere Stärke des Snap-Ökosystems sind Connected Lenses.

Mehrere Nutzer können dabei dieselben digitalen Objekte innerhalb einer gemeinsamen realen Umgebung sehen und mit ihnen interagieren.

Beispiele reichen von Domino und Schach bis zu virtuellen Tischtennis-Anwendungen.

Dadurch wird Augmented Reality nicht ausschließlich zu einem persönlichen Erlebnis innerhalb der eigenen Brille.

Mehrere SPECS können ihre virtuelle Umgebung synchronisieren und digitale Inhalte gemeinsam darstellen.

KI sieht die Umgebung

Die integrierte Computer-Vision-Technik bildet gleichzeitig die Grundlage für multimodale KI.

Die KI kann nicht nur gesprochene Fragen verarbeiten, sondern auch Kontext aus der realen Umgebung berücksichtigen.

Dadurch kann eine Information genau dort erscheinen, wo sie benötigt wird.

Bei einer Reparatur könnten beispielsweise Hinweise direkt am entsprechenden Bauteil eingeblendet werden. Beim Lernen lassen sich Erklärungen an reale Objekte koppeln und bei Navigation können Informationen direkt mit Straßen oder Orten verbunden werden.

SPECS Intelligence

Snap entwickelt zusätzlich SPECS Intelligence, einen persönlichen KI-Dienst, der über einzelne Sprachbefehle hinausgehen soll.

Das System soll Informationen aus Diensten und Anwendungen, die ein Nutzer freiwillig verbindet, zusammenführen und daraus Ziele, Aufgaben, Routinen und Prioritäten besser verstehen.

Statt ausschließlich auf eine konkrete Frage zu warten, soll SPECS Intelligence relevante Informationen situationsabhängig bereitstellen können.

Die Plattform ist dabei geräteübergreifend für SPECS, iPhone und Mac vorgesehen.

Damit bewegt sich Snap weg vom klassischen Chatbot und hin zu einem KI-Assistenten, der stärker den persönlichen Kontext und die aktuelle Situation berücksichtigt.

Echtzeitübersetzung in 60 Sprachen

Eine besonders praktische Funktion ist die Live-Übersetzung.

SPECS unterstützen Übersetzungen für 60 Sprachen.

Spricht eine andere Person in einer Fremdsprache, können übersetzte Untertitel direkt innerhalb des Sichtfeldes erscheinen.

Durch das räumliche Tracking können solche Informationen stärker mit der realen Umgebung verbunden werden als bei einem einfachen HUD.

Statt während eines Gesprächs ständig auf das Smartphone zu schauen, bleibt der Blick beim Gesprächspartner.

Navigation direkt in der Umgebung

Auch Navigation gehört zu den wichtigsten Anwendungen.

Ein Ziel kann angegeben werden und die Brille blendet anschließend Richtungsinformationen innerhalb der realen Umgebung ein.

Optional stehen zusätzliche Sprachhinweise zur Verfügung.

Das Konzept ist besonders beim Gehen interessant. Statt alle paar Meter auf eine Karte auf dem Smartphone zu schauen, können Wegbeschreibungen direkt dort erscheinen, wo sich ohnehin der Blick befindet.

Tripadvisor in Augmented Reality

Snap arbeitet außerdem mit Diensten wie Tripadvisor zusammen.

Dadurch können Informationen zu Restaurants, Sehenswürdigkeiten und anderen Orten direkt innerhalb der Brille angezeigt werden.

Bewertungen lassen sich abrufen, lokale Begriffe übersetzen und sogar Währungen umrechnen.

Gerade auf Reisen zeigt sich dadurch das Potenzial einer Kombination aus AR, Standortinformationen und KI.

Virtueller Arbeitsplatz

SPECS sollen außerdem als mobiler Arbeitsplatz eingesetzt werden können.

Ein Computerbildschirm kann drahtlos übertragen und innerhalb der räumlichen Umgebung angezeigt werden.

Dadurch lassen sich digitale Arbeitsflächen verwenden, ohne einen zusätzlichen physischen Monitor transportieren zu müssen.

Bluetooth-Tastaturen werden ebenfalls unterstützt.

SPECS sind damit nicht ausschließlich für kurze AR-Einblendungen gedacht, sondern sollen langfristig auch klassische Computeroberflächen ergänzen.

Whiteboard im Raum

Für kreative und produktive Anwendungen bietet Snap unter anderem ein räumliches Whiteboard.

Darauf lassen sich Informationen organisieren, Diagramme erstellen oder Ideen sammeln.

Der Unterschied zu einer normalen Whiteboard-App besteht darin, dass die Arbeitsfläche innerhalb des realen Raumes platziert werden kann.

Spatial Computing nutzt damit nicht mehr nur die Fläche eines Monitors, sondern den verfügbaren Raum selbst als Benutzeroberfläche.

Bis zu 115 Zoll für Streaming

SPECS können auch klassische Medien darstellen.

Snap beschreibt das virtuelle Display für Filme als vergleichbar mit einem 115 Zoll großen Fernseher beziehungsweise einer Kinoleinwand aus ungefähr drei Metern Entfernung.

Über den integrierten Browser lassen sich beispielsweise Streamingdienste und Videoplattformen nutzen.

Damit können SPECS grundsätzlich auch als persönliches Entertainment-Display dienen.

Ihr Hauptvorteil gegenüber speziellen Videobrillen liegt jedoch nicht in der maximalen Bildschärfe oder Größe, sondern darin, dass derselbe Bildschirm innerhalb einer echten räumlichen AR-Umgebung genutzt werden kann.

Snapchat direkt auf SPECS

Snapchat wurde ebenfalls an die neue Plattform angepasst.

Fotos und Videos können aus der Perspektive des Trägers erstellt und anschließend geteilt werden.

Eine Aufnahme lässt sich beispielsweise durch eine Handgeste auslösen.

Auch Videoanrufe sind möglich, bei denen Gesprächspartner sehen können, was der SPECS-Nutzer vor sich sieht.

Damit verbindet Snap sein bestehendes Social-Media-Ökosystem direkt mit der eigenen AR-Hardware.

Aufnahme-LED für mehr Transparenz

Kameras in einer Brille bringen zwangsläufig Datenschutzfragen mit sich.

SPECS besitzen deshalb eine auffällige externe LED, die bei Foto-, Video- oder Audioaufnahmen leuchtet beziehungsweise blinkt.

Personen in der Umgebung sollen dadurch erkennen können, wenn eine Aufnahme stattfindet.

Snap erklärt außerdem, dass die Brille ihre Umgebung für AR-Funktionen analysieren kann, ohne deshalb permanent Videoaufnahmen zu speichern.

Auch Gesichtserkennung zur Identifikation anderer Personen soll nicht Bestandteil des Systems sein.

Open-Ear-Audio

In den Rahmen sind Stereo-Lautsprecher integriert.

Sie ermöglichen Musik, Sprachhinweise, Video, Telefonie und räumliche Audioeffekte, ohne zusätzliche Kopfhörer tragen zu müssen.

Da es sich um Open-Ear-Audio handelt, bleiben Umgebungsgeräusche weiterhin hörbar.

Das ist gerade für eine AR-Brille wichtig, die für Bewegung und Interaktion innerhalb der realen Welt gedacht ist.

Mikrofone für Sprache und KI

Mehrere integrierte Mikrofone erfassen Sprache und Umgebungsgeräusche.

Sie dienen unter anderem für Sprachsteuerung, Telefonie, Videoaufnahmen, Übersetzung und KI-Funktionen.

Geräuschunterdrückung und Echoreduktion sollen dafür sorgen, dass Sprache auch in weniger ruhigen Umgebungen verständlich erfasst wird.

Damit bilden die Mikrofone zusammen mit Kameras, Handtracking und Display eine multimodale Benutzeroberfläche.

Telefonie und Benachrichtigungen

Werden SPECS über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden, können auch Anrufe und Benachrichtigungen über die Brille genutzt werden.

Dadurch übernimmt das System zusätzlich typische Funktionen klassischer Smartglasses.

Die Verbindung zu einem Smartphone erweitert die Möglichkeiten, ist für die grundlegende AR-Rechenleistung aber nicht erforderlich.

Bis zu vier Stunden Akkulaufzeit

Snap gibt für SPECS bis zu vier Stunden Laufzeit bei gemischter Nutzung an.

Dazu gehören unterschiedliche Kombinationen aus AR-Lenses, KI, Audio, Video, Bluetooth-Benachrichtigungen und anderen Funktionen.

Die tatsächliche Laufzeit hängt entsprechend stark vom Einsatz ab.

Permanent aktive räumliche Anwendungen und Videowiedergabe benötigen erheblich mehr Energie als gelegentliche Benachrichtigungen oder kurze KI-Anfragen.

Für eine vollständig autonome AR-Brille mit zwei Prozessoren und transparentem Vollfarbdisplay sind vier Stunden ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Spectacles-Generationen.

Ladecase für bis zu 20 Stunden

Zum Lieferumfang gehört ein Ladecase.

Dieses kann die SPECS ungefähr vier zusätzliche Male aufladen.

Zusammen mit der Energie in der Brille gibt Snap damit eine Gesamtnutzung von bis zu ungefähr 20 Stunden gemischter Verwendung an, sofern die Brille zwischen den Sessions immer wieder im Case geladen wird.

Die Brille ist also eher für mehrere Nutzungssessions über den Tag verteilt als für eine ununterbrochene ganztägige AR-Sitzung gedacht.

Optionales Connected Charging Case

Zusätzlich bietet Snap ein Charging Case mit Mobilfunkverbindung an.

Dieses kombiniert zusätzliche Akkukapazität mit einer eigenen Mobilfunkverbindung.

Dadurch können SPECS auch unterwegs mit Onlinediensten verbunden bleiben, wenn kein WLAN zur Verfügung steht.

Die Mobilfunkfunktion wird gemeinsam mit ausgewählten Netzbetreibern angeboten.

Dadurch kann sich die Brille langfristig stärker vom Smartphone lösen.

Zwei Größen

SPECS werden in zwei Rahmenbreiten angeboten:

47 mm Narrow Fit für schmalere Gesichter und
52 mm Wide Fit für breitere Gesichter.

Zusätzlich gehören unterschiedliche Nasenpads zum Lieferumfang.

Die richtige Passform ist bei einer AR-Brille besonders wichtig, weil beide Augen möglichst genau innerhalb der optimalen Bereiche der Waveguide-Displays liegen müssen.

132 beziehungsweise 136 Gramm

Das kleinere 47-mm-Modell wiegt 132 Gramm, während die größere 52-mm-Version 136 Gramm erreicht.

Damit sind SPECS erheblich leichter als klassische Mixed-Reality-Headsets, aber immer noch deutlich schwerer als normale Brillen oder aktuelle KI-Smartglasses.

Das zusätzliche Gewicht entsteht durch zwei Displays, Optik, Prozessoren, Kameras, Sensoren, Lautsprecher und Akku.

Die flexiblen Bügel sollen helfen, das Gewicht besser auf Kopf und Nase zu verteilen.

Swiss TR90-Rahmen

Der Rahmen besteht aus Swiss TR90, einem leichten und widerstandsfähigen Kunststoff, der auch bei klassischen Sport- und Premiumbrillen eingesetzt wird.

Das Material bietet eine Kombination aus geringem Gewicht, Flexibilität und Robustheit.

Gerade bei einer Brille mit umfangreicher Elektronik ist eine flexible Rahmenkonstruktion wichtig, um die Belastung auf Schläfen und Nase möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Korrektionsgläser

Auch Nutzer mit Fehlsichtigkeit können SPECS verwenden.

Dafür werden spezielle Prescription Inserts angeboten.

Aktuell unterstützt Snap Einstärkengläser ungefähr im Bereich von -8 bis +2 Dioptrien, die über entsprechende Partner individuell gefertigt werden.

Die Korrektionsgläser werden separat in die Brille eingesetzt.

Damit muss keine normale Brille zusätzlich unter dem Gerät getragen werden.

Kein Eye Tracking

SPECS setzen derzeit hauptsächlich auf Handtracking und Sprache und besitzen kein klassisches Eye Tracking zur Auswahl von Benutzeroberflächen.

Das bedeutet, dass virtuelle Elemente nicht einfach durch Anschauen ausgewählt werden können, wie es beispielsweise bei einigen größeren Spatial-Computing-Headsets möglich ist.

Stattdessen kommen Handgesten und andere Eingabemethoden zum Einsatz.

Für kommende Generationen könnte Eye Tracking deshalb zu den naheliegenden technischen Erweiterungen gehören.

Snap Specs gegenüber Spectacles 5

Die neuen SPECS sollten nicht mit den Spectacles der fünften Generation aus dem Jahr 2024 verwechselt werden.

Diese ältere Entwicklungsplattform wog rund 226 Gramm, bot ungefähr 46 Grad Sichtfeld und nur rund 45 Minuten kontinuierliche Laufzeit.

Die Consumer-SPECS von 2026 reduzieren das Gewicht auf 132 beziehungsweise 136 Gramm, erhöhen das Sichtfeld auf 51 Grad und erreichen bei gemischter Nutzung bis zu vier Stunden Akkulaufzeit.

Die 2024er Spectacles waren vor allem eine Entwicklerplattform, auf der Snap das Software- und Lens-Ökosystem für die spätere Consumer-Generation aufgebaut hat.

SPECS sind dagegen erstmals ausdrücklich für reguläre Käufer vorgesehen.

Snap Specs gegenüber einfachen KI-Brillen

SPECS unterscheiden sich auch grundlegend von Modellen wie Ray-Ban Meta oder anderen Kamera-KI-Brillen.

Solche Produkte konzentrieren sich meistens auf Kamera, Open-Ear-Audio und Sprach-KI. Ohne Display können sie jedoch keine echten virtuellen Objekte innerhalb der Umgebung darstellen.

SPECS besitzen dagegen ein binokulares transparentes Vollfarbdisplay und vollständiges räumliches Tracking.

Dadurch können Informationen nicht nur gesprochen, sondern genau dort angezeigt werden, wo sie innerhalb der realen Welt relevant sind.

Dafür sind SPECS erheblich größer, schwerer und teurer.

Snap Specs gegenüber einem VR-Headset

Gegenüber einem VR- oder Mixed-Reality-Headset verfolgen SPECS den umgekehrten Ansatz.

Ein Headset wie Meta Quest oder Apple Vision Pro besitzt ein sehr großes Sichtfeld und kann den Nutzer stark in digitale Inhalte eintauchen lassen. Gleichzeitig sitzt ein deutlich größeres Gerät vor dem Gesicht.

SPECS lassen die reale Welt dagegen über transparente Gläser permanent sichtbar.

Der Schwerpunkt liegt deshalb nicht auf maximaler Immersion, sondern auf der Integration digitaler Inhalte in den normalen Alltag.

Für wen eignen sich Snap Specs?

Snap Specs richten sich in ihrer ersten Consumer-Generation vor allem an Early Adopter, Entwickler, AR-Enthusiasten und Nutzer, die Spatial Computing möglichst kompakt erleben möchten.

Besonders interessant sind Funktionen wie räumliche Navigation, Live-Übersetzung, multimodale KI, gemeinsame AR-Erlebnisse, virtuelle Arbeitsflächen und Lernanwendungen.

Auch als Entwicklungsplattform sind SPECS relevant, weil Lens Studio und das bereits bestehende Snap-AR-Ökosystem einen direkten Zugang zu räumlichen Anwendungen bieten.

Wer dagegen nur Fotos aufnehmen, Musik hören oder gelegentlich mit einem KI-Assistenten sprechen möchte, findet wesentlich leichtere Smartglasses.

Für reines Filme-Schauen oder Gaming bieten spezialisierte Micro-OLED-Display-Brillen wiederum höhere Auflösungen und ein einfacheres Konzept.

Die Besonderheit der SPECS liegt in einer anderen Kombination: vollständiges Spatial Computing, transparente Optik, KI, Handtracking und eigenständige Rechenleistung innerhalb einer einzigen Brille.

Technische Daten der Snap Specs

Offizieller Produktname: SPECS
Hersteller: Specs Inc. / Snap Inc.
Produkttyp: autonome Augmented-Reality-/Spatial-Computing-Brille

Displaytechnik: LCoS
Optik: transparenter Waveguide
Darstellung: binokulares Vollfarbdisplay
Farben: ca. 16 Millionen
Sichtfeld: 51° diagonal
Virtuelle Arbeitsfläche: vergleichbar mit ca. 24 Zoll
Virtuelle Filmfläche: bis ca. 115 Zoll aus rund 3 m Entfernung
Linsen: elektrochrom, automatisch beziehungsweise elektronisch abdunkelbar
Wechsel klar/getönt: ca. 10 Sekunden

Tracking: 6DoF
Handtracking: unterstützt
Scene Meshing: unterstützt
Spatial Mapping: unterstützt
Motion-to-Photon-Latenz: ca. 7 ms
Eye Tracking: nein

Prozessoren: Dual-Snapdragon-System
Computer Vision: eigener Rechenbereich
AR-/Lens-Verarbeitung: eigener Rechenbereich
Betriebssystem: SPECS OS
Entwicklungsplattform: Lens Studio

KI: multimodale KI-Unterstützung
SPECS Intelligence: unterstützt beziehungsweise schrittweise eingeführt
Visueller Kontext: unterstützt
Live-Übersetzung: bis zu 60 Sprachen
Navigation: räumliche Turn-by-Turn-Navigation
Tripadvisor: integriert beziehungsweise als Lens verfügbar
Whiteboard: unterstützt
Virtuelle Arbeitsfläche: unterstützt
Connected Lenses: gemeinsame Multiuser-AR
Snapchat: angepasst für SPECS

Audio: integrierte Stereo-Open-Ear-Lautsprecher
Mikrofone: integriertes Mikrofon-System
Telefonie: über Smartphone-Verbindung unterstützt
Benachrichtigungen: unterstützt
Musik: unterstützt

Kameras: integrierte Kameras für Computer Vision, AR und Aufnahmen
Aufnahmeindikator: externe LED
Gesichtserkennung zur Personenidentifikation: nein

Bluetooth: unterstützt
WLAN: unterstützt
Mobilfunk: optional über Connected Charging Case

Akkulaufzeit: bis zu ca. 4 Stunden bei gemischter Nutzung
Ladecase: im Lieferumfang
Zusätzliche Ladungen: ca. 4
Gesamtnutzung mit Ladecase: bis ca. 20 Stunden gemischte Nutzung
Connected Charging Case: optional mit Mobilfunk erhältlich

Rahmenmaterial: Swiss TR90
Größe Narrow: 47 mm
Gewicht Narrow: ca. 132 g
Größe Wide: 52 mm
Gewicht Wide: ca. 136 g
Nasenpads: austauschbar
Korrektionsgläser: unterstützt
Unterstützte Einstärkenkorrektur: ungefähr -8 bis +2 dpt

Preis: 2.195 US-Dollar
Vorbestellung: seit Juni 2026
Auslieferung: ab Herbst 2026 geplant
Erste Märkte: USA, Großbritannien und Frankreich

Die wichtigsten Besonderheiten

Echte transparente Augmented Reality: Digitale Objekte werden räumlich mit der realen Umgebung verbunden.

51 Grad Sichtfeld: Deutlich größerer AR-Bereich als bei einfachen HUD-Smartglasses.

Vollfarb-LCoS: Rund 16 Millionen Farben statt monochromer Informationsanzeige.

6DoF: Virtuelle Inhalte können fest innerhalb eines realen Raumes positioniert werden.

Handtracking: Bedienung ohne klassischen Controller.

Multimodale KI: KI kann Sprache und Kontext aus der Umgebung miteinander verbinden.

Live-Übersetzung: Untertitel für bis zu 60 Sprachen direkt im Sichtfeld.

Navigation: Wegbeschreibungen können räumlich über der realen Welt erscheinen.

Standalone: Kein externer Compute-Puck und kein permanentes Verbindungskabel erforderlich.

Vier Stunden Laufzeit: Deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Spectacles-Generationen.

Ladecase: Bis zu rund 20 Stunden gemischte Nutzung mit Zwischenladungen.

132 Gramm: Für eine vollständige autonome AR-Brille vergleichsweise kompakt, wenn auch deutlich schwerer als normale Smartglasses.

Die Snap Specs gehören damit zu den technisch ambitioniertesten Consumer-AR-Brillen ihrer Generation. Statt nur Smartphone-Funktionen in ein Brillengestell zu verlagern, verfolgt Snap einen deutlich weitergehenden Ansatz: Die reale Umgebung selbst soll zur Benutzeroberfläche werden. Navigation, Kommunikation, KI, Arbeit, Entertainment und gemeinsame digitale Erlebnisse können dadurch direkt innerhalb des physischen Raumes stattfinden.