Die RayNeo X3 Pro ist eine eigenständig arbeitende KI- und Augmented-Reality-Brille, die ein transparentes Vollfarb-MicroLED-Display mit Kameras, räumlichem Tracking, Google Gemini, Navigation, Echtzeitübersetzung und einem eigenen Betriebssystem kombiniert. Anders als die Air- oder GT-Serie von RayNeo dient sie nicht primär als virtueller Kinobildschirm für ein angeschlossenes Smartphone oder Notebook. Die X3 Pro möchte digitale Informationen vielmehr direkt mit der realen Umgebung verbinden und damit Funktionen eines Smartphones, KI-Assistenten und AR-Headsets in ein vergleichsweise kompaktes Brillenformat übertragen.
Im Inneren arbeitet dafür Qualcomms Snapdragon AR1 Gen 1, ergänzt durch 4 GB Arbeitsspeicher und 32 GB internen Speicher. Hinzu kommen zwei Kameras, binokulare Vollfarb-MicroLED-Projektoren, Wi-Fi 6, Bluetooth 5.3, Mikrofone und ein eigener 245-mAh-Akku. Trotzdem bringt die X3 Pro laut Hersteller nur rund 76 Gramm auf die Waage und ist damit erheblich leichter als ihr Vorgänger RayNeo X2.
Gerade diese Kombination macht die X3 Pro innerhalb des RayNeo-Portfolios besonders interessant. Während eine RayNeo iO auf ein kleines, kamerafreies Informationsdisplay setzt und GT sowie GT Max große virtuelle Leinwände erzeugen, ist die X3 Pro das Modell für echte räumliche Augmented Reality mit Kamera und KI.
Vollfarbiges MicroLED-Display für beide Augen
Die RayNeo X3 Pro verwendet ein binokulares Vollfarb-MicroLED-System. Beide Augen erhalten ein eigenes digitales Bild, das über diffraktive Waveguides direkt in die transparenten Brillengläser eingekoppelt wird. Virtuelle Informationen schweben dadurch vor der realen Umgebung, anstatt diese vollständig zu ersetzen.
Die Auflösung beträgt 640 × 480 Pixel, während das Sichtfeld bei rund 30 Grad liegt. RayNeo beschreibt die wahrgenommene Darstellung als ungefähr 43 Zoll großen virtuellen Bildschirm aus zwei Metern Entfernung. Das ist deutlich kleiner als die 200 bis 300 Zoll großen virtuellen Leinwände der Air- und GT-Serie, erfüllt aber einen völlig anderen Zweck. Das Display soll Navigation, Übersetzungen, KI-Antworten, Apps und räumliche Elemente anzeigen, ohne den Blick auf die Außenwelt zu blockieren.
Für Filme oder Gaming ist die X3 Pro deshalb nicht mit einer klassischen Videobrille gleichzusetzen. Ihr Schwerpunkt liegt auf Informationen, die sich in die Umgebung einfügen oder dauerhaft verfügbar sein sollen.
Firefly Optical Engine mit bis zu 6.000 Nits
Das optische Herzstück bezeichnet RayNeo als Firefly Optical Engine. Die komplette Projektoreinheit besitzt laut Hersteller lediglich etwa 0,36 cm³ Volumen und kann trotzdem ein vollfarbiges Bild mit 16,77 Millionen Farbenerzeugen.
RayNeo gibt eine durchschnittliche Displayhelligkeit von 3.500 Nits und Spitzenwerte von bis zu 6.000 Nits an. Gerade bei transparenten AR-Brillen ist eine hohe Helligkeit entscheidend. Das digitale Bild muss sich gegen Tageslicht, helle Innenräume und andere reale Lichtquellen behaupten, da hinter der Anzeige weiterhin die Umgebung sichtbar bleibt.
Die Waveguide-Technik wurde laut RayNeo gemeinsam mit Applied Materials weiterentwickelt. Ziel ist eine höhere Lichtausbeute bei gleichzeitig schlanker Optik. Gegenüber der älteren X2 konnte RayNeo dadurch ein größeres Sichtfeld und gleichzeitig ein wesentlich kompakteres Brillendesign realisieren.
30 Grad Sichtfeld statt virtuellem Großbildschirm
Mit 30 Grad Field of View bietet die X3 Pro ein größeres Sichtfeld als die etwa 25 Grad der RayNeo X2, bleibt aber deutlich unter klassischen XR-Headsets oder RayNeos Display-Brillen.
Das ist kein Zufall. Die X3 Pro versucht nicht, möglichst viel vom natürlichen Sichtfeld abzudecken. Stattdessen werden Informationen in einem zentralen Bereich angezeigt, während der Großteil der Umgebung vollständig sichtbar bleibt.
Bei einer Navigation können beispielsweise Richtungshinweise erscheinen, bei einer Übersetzung werden Untertitel eingeblendet und bei einer KI-Anfrage wird die Antwort vor den Augen dargestellt. Das Display funktioniert damit eher wie ein sehr fortschrittliches Head-up-Display mit räumlichen Funktionen als wie ein kleiner VR-Bildschirm.
RayNeo AIOS als eigenes Betriebssystem
Die Softwarebasis bildet RayNeo AIOS, ein speziell für KI- und AR-Brillen entwickeltes Betriebssystem. Statt klassische Smartphone-Menüs einfach auf die Brille zu übertragen, stellt AIOS Informationen innerhalb einer räumlichen Benutzeroberfläche dar.
Zu den integrierten Anwendungen gehören unter anderem Kamera, Galerie, Navigation, Musik, KI-Aufzeichnungen, Aufgabenverwaltung, Benachrichtigungen und weitere RayNeo-Werkzeuge. Zusätzlich besitzt das System eine Android-basierte virtuelle Umgebung, über die ausgewählte Apps direkt auf der Brille verwendet werden können. RayNeo nennt beispielsweise Anwendungen wie WhatsApp, TikTok und Instagram.
Damit ist die X3 Pro wesentlich autonomer als klassische Smartglasses, die praktisch nur als Zubehör zu einem Smartphone funktionieren.
Google Gemini direkt vor den Augen
Ein zentraler Bestandteil der X3 Pro ist die Integration von Google Gemini. RayNeo setzt aktuell auf Gemini beziehungsweise Gemini Live als multimodalen KI-Assistenten. Fragen können per Sprache gestellt werden, während Antworten anschließend direkt im Sichtfeld erscheinen oder über das Audiosystem ausgegeben werden können.
Durch die integrierte Kamera kann die KI zudem visuelle Informationen einbeziehen. Dadurch entsteht ein wesentlicher Unterschied zu kamerafreien KI-Brillen: Der Assistent kann grundsätzlich nicht nur hören, was du fragst, sondern auch Informationen aus der Umgebung beziehungsweise dem Kamerabild verarbeiten.
Damit eignet sich die X3 Pro beispielsweise für Fragen zu Gegenständen, Texten, Orten oder Situationen direkt vor dir. Die Kombination aus Kamera, Display und multimodaler KI gehört zu den wichtigsten Funktionen des Geräts.
KI-Antworten, ohne auf das Smartphone zu schauen
Der praktische Vorteil einer KI-Brille liegt weniger darin, dass Gemini grundsätzlich andere Antworten liefert als auf einem Smartphone. Entscheidend ist die Schnittstelle.
Statt ein Smartphone aus der Tasche zu nehmen, eine App zu öffnen und eine Frage einzutippen, kann eine Anfrage direkt über die Brille erfolgen. Die Antwort erscheint anschließend im Sichtfeld.
Dadurch kann KI stärker in alltägliche Situationen integriert werden. Informationen müssen nicht erst auf einem separaten Bildschirm gesucht werden, sondern können genau dort eingeblendet werden, wo sie benötigt werden.
Die X3 Pro ist deshalb weniger als Ersatz für ein Smartphone zu verstehen, sondern als zusätzliche visuelle und sprachbasierte Schnittstelle zum Smartphone, Internet und zu KI-Diensten.
Echtzeitübersetzung in 14 Sprachen
Zu den wichtigsten Alltagsfunktionen gehört die Live-Übersetzung. Die X3 Pro unterstützt laut RayNeo aktuell 14 Sprachen: Chinesisch, Englisch, Kantonesisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch, Thai, Vietnamesisch, Indonesisch und Malaiisch.
Gesprochene Sprache wird über die integrierten Mikrofone aufgenommen, verarbeitet und anschließend als übersetzter Text beziehungsweise Audioausgabe bereitgestellt. RayNeo gibt eine Reaktionszeit von etwa 2,1 Sekunden an.
Besonders interessant ist das transparente Display: Bei einem Gespräch musst du nicht ständig auf dein Smartphone schauen. Der Blick kann beim Gesprächspartner bleiben, während die Übersetzung wie Untertitel im Sichtfeld erscheint.
Für Reisen, internationale Geschäftstermine oder Gespräche mit fremdsprachigen Personen gehört die Übersetzung damit zu den Funktionen, bei denen eine Display-Brille einen unmittelbar nachvollziehbaren Vorteil gegenüber Smartphone oder Kopfhörern bietet.
Heads-up-Navigation
Auch bei der Navigation zeigt sich der Unterschied zwischen Smartglass und Smartphone besonders deutlich. Die RayNeo X3 Pro kann Turn-by-Turn-Navigationshinweise direkt im Sichtfeld darstellen. Zusätzlich lassen sich Orte beziehungsweise Points of Interest in der Umgebung anzeigen.
Statt während eines Spaziergangs permanent auf eine Karte auf dem Smartphone zu schauen, können Richtungsinformationen vor den Augen erscheinen.
RayNeo kombiniert dafür digitale Karteninformationen mit Sensorik und räumlichem Tracking. Die Navigation gehört damit zu den Anwendungen, für die transparente AR-Brillen langfristig besonders interessant sind.
In der Praxis ist allerdings der Energieverbrauch zu berücksichtigen. Ein unabhängiger Test von Tom’s Hardware stellte gerade bei intensiver Google-Maps-Navigation einen sehr schnellen Akkuverbrauch fest.
6DoF und SLAM für echte räumliche AR
Während einfache Head-up-Displays Informationen lediglich an einer festen Stelle vor den Augen anzeigen, unterstützt die X3 Pro 6DoF-Tracking und SLAM.
6DoF steht für „Six Degrees of Freedom“. Die Brille kann damit sowohl Drehbewegungen des Kopfes als auch Bewegungen nach vorne, hinten, links, rechts, oben und unten erfassen. SLAM – Simultaneous Localization and Mapping – hilft dem System gleichzeitig dabei, seine Position innerhalb der Umgebung zu bestimmen und räumliche Strukturen zu erfassen.
Dadurch können digitale Objekte tatsächlich an Positionen innerhalb eines Raumes gebunden werden. Wenn du deinen Kopf oder Körper bewegst, können virtuelle Inhalte an ihrem ursprünglichen Platz verbleiben.
Das unterscheidet die X3 Pro grundlegend von 3DoF-Display-Brillen wie RayNeo GT und GT Max. Diese können zwar Kopfrotationen erkennen und eine Leinwand stabilisieren, erfassen jedoch keine vollständigen räumlichen Positionsbewegungen.
Creator Mode für eigene AR-Anwendungen
RayNeo öffnet das räumliche Tracking außerdem für Entwickler. Im Creator Mode können Anwendungen mit Unity ARDK oder Android ARDK entwickelt werden. Dabei stehen 6DoF und SLAM zur Verfügung.
Dadurch kann die X3 Pro nicht nur vorinstallierte Anwendungen ausführen, sondern als Plattform für eigene AR-Erlebnisse dienen.
Denkbar sind beispielsweise räumliche Informationssysteme, interaktive Anleitungen, Lernanwendungen, Spiele oder professionelle Anwendungen, bei denen digitale Informationen mit bestimmten Positionen im Raum verbunden werden.
Für Pixelversum ist dieser Punkt besonders relevant, weil die X3 Pro damit deutlich stärker in Richtung Spatial Computing geht als klassische KI-Smartglasses.
Snapdragon AR1 Gen 1
Als Prozessor verwendet RayNeo den Qualcomm Snapdragon AR1 Gen 1. Der Chip wurde speziell für leichte Smartglasses und AR-Geräte entwickelt und basiert auf einem energieeffizienten 4-nm-Fertigungsprozess.
Im Gegensatz zum Snapdragon XR2 der älteren X2 ist AR1 stärker auf kompakte Brillen mit KI-, Kamera- und AR-Funktionen optimiert. Das ermöglicht RayNeo eine erheblich kleinere und leichtere Konstruktion.
Zum Prozessor kommen 4 GB RAM und 32 GB interner Speicher. Das reicht für Betriebssystem, Apps, KI-Funktionen sowie lokale Foto- und Videoaufnahmen, ist aber deutlich weniger Speicher als die 128 GB der älteren X2.
Die Entscheidung zeigt, dass die X3 Pro weniger als klassischer App-Computer mit großer lokaler Mediensammlung gedacht ist. Viele Funktionen arbeiten mit Cloud-, Smartphone- oder Netzwerkdiensten zusammen.
Dual-Kamera-System
Die Vorderseite der X3 Pro besitzt ein Dual-Kamera-System. Die Hauptkamera basiert auf einem Sony IMX681 mit 12 Megapixeln. Eine zweite monochrome OV-Kamera dient hauptsächlich der räumlichen Positionierung und dem 6DoF-Tracking.
Die zweite Kamera ist deshalb nicht einfach ein zusätzliches Fotoobjektiv. Sie liefert Informationen über Bewegungen und Umgebung, die für räumliche AR-Anwendungen benötigt werden.
RayNeo bezeichnet das Gesamtsystem als RayNeo Image Plus beziehungsweise Falcon Imaging Plus. Die Kamera kann neben normalen Aufnahmen auch in Verbindung mit räumlichen und KI-Funktionen eingesetzt werden.
Fotos und Videos aus der Ich-Perspektive
Mit der Hauptkamera lassen sich Fotos und Videos direkt aus der Perspektive des Trägers aufnehmen. Dadurch muss nicht erst ein Smartphone hervorgeholt und ausgerichtet werden.
RayNeo führt für die X3 Pro Aufnahmen bis in den 4K-/3K-Bereich auf; die tatsächlich verfügbaren Modi unterscheiden sich je nach Aufnahmeart und Softwareversion. Die Kamera basiert auf dem 12-Megapixel-Sony-IMX681-Sensor.
Gerade für Reisen, Veranstaltungen oder spontane Alltagssituationen ist die First-Person-Perspektive interessant. Die Kamera befindet sich ungefähr auf Augenhöhe und zeichnet dadurch einen Blickwinkel auf, der näher an der eigenen Wahrnehmung liegt als eine typische Smartphone-Aufnahme aus ausgestreckter Hand.
Die Bildqualität sollte dennoch nicht automatisch mit aktuellen Premium-Smartphones gleichgesetzt werden. In einem unabhängigen Test kritisierte Tom’s Hardware die Qualität der aufgenommenen Fotos deutlich.
KI-gestützte Meeting- und Produktivitätsfunktionen
Die RayNeo X3 Pro ist nicht ausschließlich auf Navigation und visuelle AR ausgelegt. AIOS enthält verschiedene Produktivitätsfunktionen wie Meeting-Notizen, Transkriptionen, Memos und Aufgabenverwaltung.
Gesprochene Informationen können erfasst und anschließend strukturiert werden. Damit lässt sich die Brille beispielsweise verwenden, um Besprechungen zu dokumentieren, Erinnerungen zu erstellen oder wichtige Punkte festzuhalten.
Hinzu kommt ein integrierter Teleprompter. Vorbereitete Texte können direkt auf dem AR-Display erscheinen, während der Blick weiterhin nach vorne gerichtet bleibt. Das kann für Präsentationen, Vorträge oder Videoaufnahmen interessant sein.
Wie bei allen Aufnahmefunktionen gelten selbstverständlich die jeweiligen Datenschutz- und Einwilligungsregeln.
Android-App-Umgebung
Eine interessante Besonderheit der X3 Pro ist die Android-basierte virtuelle Umgebung. RayNeo bewirbt die Möglichkeit, ausgewählte bekannte Apps direkt über die AR-Oberfläche zu verwenden.
Damit versucht RayNeo, eines der größten Probleme früher Smartglasses zu lösen: Ein technisch interessantes Display bringt wenig Nutzen, wenn kaum Anwendungen verfügbar sind.
Nicht jede klassische Smartphone-App ist allerdings automatisch optimal für ein 30-Grad-AR-Display geeignet. Bedienkonzepte, kleine Schaltflächen und vertikale Smartphone-Oberflächen können innerhalb einer Brille deutlich weniger komfortabel sein.
Die Möglichkeit eines offeneren App-Ökosystems macht die X3 Pro dennoch flexibler als Smartglasses, die ausschließlich wenige Herstellerfunktionen anbieten.
Integriertes Open-Ear-Audio
In den Bügeln der X3 Pro befinden sich integrierte Open-Ear-Lautsprecher. Dadurch können Musik, Sprachassistent, Navigation, Übersetzungen und Telefonate ohne zusätzliche Kopfhörer wiedergegeben werden. Ein unabhängiger Test beschreibt ein Vier-Lautsprecher-System und bescheinigt ihm überraschend kräftigen Klang für eine Brille.
Die offene Bauweise hat im Alltag einen Vorteil: Die Ohren bleiben frei und Umgebungsgeräusche können weiterhin wahrgenommen werden.
Gerade beim Gehen durch eine Stadt oder während einer Navigation ist das sinnvoll, weil Verkehr und andere akustische Hinweise nicht vollständig ausgeblendet werden.
Eine vollständige Abschirmung wie bei In-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörern ist konstruktionsbedingt allerdings nicht möglich. Personen in unmittelbarer Nähe können bei hoher Lautstärke Teile der Wiedergabe hören.
Drei Mikrofone mit Beamforming
Für Sprachsteuerung, Telefonate, Übersetzungen und KI-Anfragen besitzt die X3 Pro ein Array aus drei Mikrofonen mit Beamforming.
Beamforming versucht, Sprache aus einer bestimmten Richtung gezielter aufzunehmen und störende Umgebungsgeräusche zu reduzieren. Das ist besonders wichtig, wenn die Brille nicht nur im ruhigen Innenraum, sondern auch auf der Straße oder auf Reisen verwendet wird.
Die Mikrofone bilden außerdem die Grundlage für Gemini Live, Sprachsteuerung und Transkriptionsfunktionen.
5-Wege-Touchsteuerung
Neben Sprachbefehlen besitzt die RayNeo X3 Pro berührungsempfindliche Bedienflächen an den Brillenbügeln. RayNeo bezeichnet das System als 5-dimensional beziehungsweise 5-way Temple Control.
Durch Tippen und Wischen lassen sich Menüs bedienen, Funktionen auswählen und Medien steuern. Zusätzlich können bestimmte Funktionen über Sprache aufgerufen werden.
Die Kombination ist sinnvoll, weil Sprachsteuerung nicht in jeder Situation praktisch ist. In einer ruhigen Besprechung oder öffentlichen Umgebung kann eine diskrete Touchgeste angenehmer sein.
Smartphone als Air Mouse
Ein verbundenes Smartphone kann außerdem als Air Mouse verwendet werden. Dadurch lässt sich ein Zeiger innerhalb der Benutzeroberfläche steuern, ohne direkt an der Brille wischen zu müssen.
Das Smartphone wird dadurch zu einer Art externem Controller für die AR-Oberfläche.
Gerade bei Apps mit klassischeren Benutzeroberflächen kann diese Eingabemethode präziser sein als die kleinen Touchflächen auf den Bügeln.
Steuerung über die Apple Watch
Bei kompatiblen Modellen unterstützt RayNeo zusätzlich die Apple Watch als Eingabegerät. Gesten beziehungsweise Steuerbefehle können über die Uhr an die X3 Pro übertragen werden.
Damit zeigt RayNeo einen möglichen Weg für die Bedienung zukünftiger AR-Brillen: Statt große Controller mitzunehmen, können bereits vorhandene Wearables als Eingabegeräte dienen.
Neben Sprache, Brillen-Touchpads und Smartphone entsteht damit eine weitere Möglichkeit, die AR-Oberfläche zu steuern.
Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.3
Die X3 Pro besitzt Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.3. Dadurch kann sie einerseits mit einem Smartphone kommunizieren und andererseits über WLAN direkt auf Netzwerk- und Onlinedienste zugreifen.
Das ist wichtig für Gemini, Übersetzungen, Navigation und andere Cloud-basierte Funktionen.
Die X3 Pro muss deshalb nicht dauerhaft über ein Kabel mit einem Smartphone verbunden sein. Sie besitzt ihre eigene Rechenplattform, ihren eigenen Speicher und einen eigenen Akku.
Ein Smartphone bleibt trotzdem hilfreich beziehungsweise für einzelne Funktionen notwendig, etwa für Einrichtung, mobilen Internetzugang, Telefonfunktionen oder unterstützte Companion-Funktionen.
Nur 76 Gramm Gewicht
Mit 76 ± 1 Gramm ist die X3 Pro für eine Brille mit zwei Displays, zwei Kameras, Prozessor, Akku, Lautsprechern und Sensorik vergleichsweise leicht.
RayNeo spricht von einer Gewichtsreduktion um rund 36 Prozent gegenüber der vorherigen Generation. Erreicht wurde dies unter anderem durch strukturelle Optimierungen und eine Magnesium-Aluminium-Legierung.
Gerade im direkten Vergleich zur ungefähr 119 Gramm schweren X2 ist der Fortschritt deutlich. Die X3 Pro nähert sich damit stärker dem Bereich an, in dem eine technisch umfangreiche AR-Brille zumindest für längere Zeit getragen werden kann.
Eine normale Korrektionsbrille bleibt allerdings erheblich leichter. Das zusätzliche Gewicht der Elektronik ist insbesondere an Nase und Bügeln weiterhin spürbar.
Austauschbare Nasenpads und Korrektionsgläser
Zur Anpassung liefert RayNeo austauschbare Nasenpads in unterschiedlichen Größen. Dadurch lässt sich die Position der Brille besser auf verschiedene Gesichtsformen abstimmen.
Das ist nicht nur für den Komfort wichtig. Bei Waveguide-Displays müssen die Augen möglichst genau innerhalb der vorgesehenen Eyebox liegen, damit das vollständige virtuelle Bild sichtbar bleibt.
Für Nutzer mit Fehlsichtigkeit unterstützt RayNeo außerdem individuelle Korrektionsgläser. Diese lassen sich über entsprechende Partner fertigen und mit dem optischen System kombinieren.
Damit kann die X3 Pro grundsätzlich als primäre Brille verwendet werden, ohne eine zusätzliche Korrektionsbrille darunter tragen zu müssen.
245-mAh-Akku
Die gesamte Technik wird von einem integrierten 245-mAh-Akku versorgt. Dieser Wert wirkt zunächst klein, ist aufgrund des begrenzten Platzes in einem Brillenrahmen allerdings typisch für die Herausforderungen dieser Geräteklasse.
RayNeo nennt je nach Nutzung sehr unterschiedliche Laufzeiten. Bis zu fünf Stunden Aufnahme, etwa drei Stunden Musikwiedergabe und rund 36 Minuten besonders energieintensive Videonutzung werden als Referenzwerte angegeben. Zusätzlich besitzt die Brille einen stromsparenden Betriebsmodus.
Die tatsächliche Laufzeit hängt deshalb extrem vom Einsatz ab. Displayhelligkeit, Kamera, Navigation, WLAN, KI und räumliches Tracking können den Energieverbrauch erheblich erhöhen.
Akkulaufzeit bleibt der größte Kompromiss
Gerade bei intensiver AR-Nutzung zeigt sich eine der wichtigsten Schwächen der X3 Pro. Im Praxistest von Tom’s Hardware hielt die Brille bei allgemeiner intensiver Nutzung teilweise weniger als eine Stunde durch. Besonders Google Maps führte dort zu sehr schnellem Akkuverlust.
Das bedeutet nicht, dass jede Nutzung so kurz ausfällt. Wer hauptsächlich Benachrichtigungen abruft, gelegentlich Gemini verwendet oder Musik hört, belastet das System wesentlich weniger als permanente Navigation mit Display, Kameras, Tracking und Netzwerk.
Dennoch zeigt der Unterschied zwischen leichtem Alltagseinsatz und rechenintensiver AR eine der grundlegenden Herausforderungen moderner Smartglasses: Rechenleistung, helles Display und räumliches Tracking benötigen viel Energie, während für einen großen Akku kaum Platz vorhanden ist.
In 38 Minuten vollständig geladen
Positiv ist die vergleichsweise kurze Ladezeit. Laut RayNeo lässt sich der Akku über USB-C innerhalb von etwa 38 Minuten vollständig aufladen.
Die Brille kann zudem während des Ladens weiterverwendet werden. Zum Lieferumfang gehört ein dünnes, etwa 1,2 Meter langes USB-C-Kabel, das speziell für diesen Einsatz vorgesehen ist.
Damit lässt sich die begrenzte Akkulaufzeit zumindest teilweise kompensieren. Bei längeren stationären Anwendungen kann die X3 Pro mit einer Powerbank oder einer anderen Stromquelle verbunden bleiben.
Trageerkennung spart Energie
Die integrierte Sensorik umfasst neben Beschleunigungssensor, Gyroskop, Magnetometer und Umgebungslichtsensor auch eine Trageerkennung.
Dadurch erkennt die Brille, wenn sie abgesetzt wird, und kann Display beziehungsweise Funktionen entsprechend deaktivieren.
Gerade bei einem Akku mit nur 245 mAh sind solche Energiesparmaßnahmen wichtig, damit während Nutzungspausen möglichst wenig Kapazität verloren geht.
RayNeo X3 Pro gegenüber RayNeo X2
Die X3 Pro ist eine deutliche Weiterentwicklung der RayNeo X2. Das grundlegende Konzept bleibt gleich: Beide Geräte kombinieren Vollfarb-MicroLED-Waveguides, eigene Rechenleistung, Kameras, Audio und räumliche AR.
Die wichtigsten Fortschritte liegen jedoch bei Gewicht, Prozessor, Helligkeit, Sichtfeld, KI und Software. Die X3 Pro wiegt rund 76 Gramm statt ungefähr 119 Gramm, nutzt Snapdragon AR1 statt XR2 und steigert das Sichtfeld von rund 25 auf 30 Grad. Gleichzeitig erreicht die neue Firefly Optical Engine deutlich höhere Helligkeitswerte.
Auch Gemini und RayNeo AIOS verschieben den Schwerpunkt stärker in Richtung KI. Die ältere X2 war in erster Linie eine frühe autonome AR-Brille. Die X3 Pro versteht sich dagegen ausdrücklich als AI+AR-Plattform.
Interessanterweise fällt der interne Speicher mit 32 GB kleiner aus als bei der X2 mit 128 GB. Dafür ist das Gesamtsystem erheblich kompakter und moderner.
RayNeo X3 Pro gegenüber RayNeo iO
Obwohl X3 Pro und iO beide digitale Informationen direkt vor den Augen anzeigen, verfolgen sie sehr unterschiedliche Konzepte.
Die RayNeo iO ist mit rund 33 Gramm erheblich leichter, besitzt keine Kamera und verwendet ein monochromes grünes MicroLED-HUD. Dadurch kann sie mit einem deutlich kleineren Energiebedarf arbeiten und eignet sich stärker als dauerhaft tragbare Informations- und Produktivitätsbrille.
Die X3 Pro besitzt dagegen Vollfarb-Displays, Kamera, räumliche Sensorik, 6DoF, SLAM, Android-Anwendungen und eine leistungsfähigere Rechenplattform.
Die iO möchte möglichst unauffällig Informationen anzeigen. Die X3 Pro versucht dagegen, echtes Spatial Computing in ein Brillenformat zu bringen.
RayNeo X3 Pro gegenüber RayNeo GT und GT Max
Auch GT und GT Max erfüllen eine völlig andere Aufgabe. Diese Modelle verwenden hochauflösende Micro-OLED-Displays und erzeugen große virtuelle Leinwände für Filme, Spiele und Computer.
Die X3 Pro bietet mit 640 × 480 Pixeln eine wesentlich geringere Auflösung und ein kleineres Sichtfeld. Für Filme wäre sie deshalb die schlechtere Wahl.
Dafür sind die Waveguide-Displays transparent und können digitale Inhalte direkt über die reale Umgebung legen. Kameras, KI und 6DoF erlauben Anwendungen, die auf GT und GT Max nicht möglich sind.
Die Unterscheidung lässt sich deshalb relativ einfach zusammenfassen: GT ersetzt einen Bildschirm – X3 Pro erweitert die reale Welt.
Für wen eignet sich die RayNeo X3 Pro?
Die RayNeo X3 Pro richtet sich in erster Linie an Technik-Enthusiasten, Entwickler und Early Adopter, die eine möglichst umfassende Kombination aus Augmented Reality, künstlicher Intelligenz, Kamera und Spatial Computingin einem relativ kompakten Brillenformat suchen.
Besonders interessant sind Funktionen wie Echtzeitübersetzung, Navigation, Gemini, Teleprompter, Meeting-Notizen und räumliche AR-Anwendungen. Auch die Möglichkeit, eigene 6DoF-Anwendungen mit Unity oder Android ARDK zu entwickeln, hebt die X3 Pro von einfacheren Smartglasses ab.
Wer dagegen hauptsächlich Filme ansehen oder spielen möchte, erhält mit einer GT oder Air 4 Pro die deutlich bessere Displaylösung. Für möglichst unauffällige Produktivitätsfunktionen, lange Akkulaufzeit und geringes Gewicht ist die RayNeo iO geeigneter.
Die X3 Pro ist vielmehr ein Blick darauf, wohin sich hochwertige Smartglasses entwickeln können: ein ständig verfügbares, transparentes Display mit KI, Kameras und räumlichem Verständnis, das Informationen nicht mehr auf einem Smartphone, sondern direkt innerhalb der Umgebung bereitstellt.
Der größte Kompromiss dieser Generation bleibt die Energieversorgung. Sobald Display, Navigation, KI, Kameras und 6DoF gleichzeitig intensiv eingesetzt werden, zeigt sich, wie schwierig es weiterhin ist, leistungsfähiges Spatial Computing mit dem Akkuvolumen einer normalen Brille zu kombinieren.
Technische Daten der RayNeo X3 Pro
| Eigenschaft | RayNeo X3 Pro |
|---|---|
| Produkttyp | autonome KI-/AR-Brille |
| Display | binokulares Vollfarb-MicroLED |
| Optisches System | diffraktiver Waveguide |
| Optical Engine | RayNeo Firefly Optical Engine |
| Auflösung | 640 × 480 Pixel |
| Sichtfeld | 30° |
| Virtuelle Displaygröße | ca. 43 Zoll bei 2 m |
| Displayfarben | 16,77 Millionen |
| Durchschnittliche Helligkeit | ca. 3.500 Nits |
| Spitzenhelligkeit | bis 6.000 Nits |
| Bildwiederholrate | bis 60 Hz |
| Betriebssystem | RayNeo AIOS |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon AR1 Gen 1 |
| Arbeitsspeicher | 4 GB |
| Speicher | 32 GB |
| KI-Assistent | Google Gemini / Gemini Live |
| Echtzeitübersetzung | 14 Sprachen |
| Navigation | Heads-up Turn-by-Turn |
| AR-Tracking | 6DoF + SLAM |
| Entwicklerplattform | Unity ARDK / Android ARDK |
| Hauptkamera | Sony IMX681, 12 MP |
| Zweite Kamera | OV Spatial Camera |
| Kameraeinsatz | Foto, Video, KI und räumliches Tracking |
| Mikrofone | 3-Mikrofon-Array mit Beamforming |
| Audio | integrierte Open-Ear-Lautsprecher |
| Produktivität | Meeting-Notizen, Transkription, Memos, To-dos |
| Teleprompter | unterstützt |
| Android-Apps | ausgewählte Apps über virtuelle Android-Umgebung |
| Touchbedienung | 5-Wege-Temple-Control |
| Sprachsteuerung | unterstützt |
| Smartphone-Steuerung | Air Mouse |
| Apple-Watch-Steuerung | bei kompatiblen Modellen |
| WLAN | Wi-Fi 6 |
| Bluetooth | Bluetooth 5.3 |
| USB | USB-C / USB 2.0 |
| Akku | 245 mAh |
| Ladezeit | ca. 38 Minuten |
| Nutzung während des Ladens | unterstützt |
| Sensoren | Beschleunigung, Gyroskop, Magnetometer, Umgebungslicht, Trageerkennung |
| Korrektionsgläser | unterstützt |
| Gewicht | 76 ± 1 g |
| Preis bei RayNeo EU | 1.399 € (Stand September 2026) |
| Haupteinsatz | KI, AR, Navigation, Übersetzung, Kamera, Spatial Computing |
Quellen:
- https://www.heise.de/news/Smart-Glasses-in-Berlin-mal-wasserdicht-mal-sylisch-mal-mit-farbigem-Display-10634590.html
- https://mixed.de/rayneo-ces-2025-neue-display-brillen/
- https://glaiss.net/de/brillen/rayneo-x3-pro/
- https://eu.rayneo.com/de/collections/ai-glasses
- https://preisvergleich.heise.de/rayneo-x3-pro-a3678904.html