VITURE ist ein auf XR-Brillen und tragbare Displays spezialisiertes Technologieunternehmen, das sich innerhalb weniger Jahre besonders im Bereich Gaming, Entertainment und mobiles Arbeiten etabliert hat. Das 2021 gegründete Unternehmen verfolgt einen deutlich anderen Ansatz als Hersteller klassischer VR-Headsets: Statt Nutzer mit einem großen, vollständig abgeschlossenen Headset in eine virtuelle Umgebung zu versetzen, entwickelt VITURE leichte Brillen, die einen großen virtuellen Bildschirm direkt vor den Augen erzeugen. Smartphone, Notebook, Steam Deck, Nintendo Switch oder andere Geräte übernehmen dabei in vielen Fällen weiterhin die eigentliche Rechenleistung. Die Brille fungiert vor allem als persönliches Display und kann dadurch wesentlich kleiner und leichter ausfallen als ein klassisches Standalone-XR-System. Bereits das erste Modell VITURE One machte die Marke international bekannt. Die Brille wurde über Kickstarter finanziert, Ende 2022 an erste Unterstützer ausgeliefert und von TIME in die Liste der „Best Inventions of 2022“ aufgenommen.
Von Beginn an gehörte Gaming zu den wichtigsten Einsatzgebieten. Eine VITURE-Brille kann beispielsweise mit kompatiblen Handheld-PCs, Smartphones und über entsprechende Adapter oder Docks auch mit Konsolen verbunden werden. Statt auf dem vergleichsweise kleinen Bildschirm eines Steam Deck oder Smartphones zu spielen, sieht der Nutzer einen virtuellen Großbildschirm vor sich. Anders als bei Virtual Reality bleibt die reale Umgebung grundsätzlich sichtbar und es müssen keine vollständigen dreidimensionalen VR-Welten berechnet werden. Damit bewegt sich VITURE in einer Geräteklasse zwischen klassischer Videobrille, AR-Brille und mobilem Monitor. Ein charakteristisches Merkmal der frühen VITURE-Modelle war zudem die elektrochrome Tönung der Gläser. Sie kann die Lichtdurchlässigkeit verändern und damit den Hintergrund hinter dem virtuellen Bild abdunkeln, ohne dass ständig eine separate Abdeckung vor den Gläsern angebracht werden muss. VITURE bezeichnete die One als erste XR-Brille dieser Art mit dimmbarer elektrochromer Folie.
Mit der VITURE Pro wurde dieses Grundkonzept technisch deutlich weiterentwickelt. Zwei Micro-OLED-Displays von Sony stellen jeweils 1.920 × 1.080 Pixel dar und unterstützen Bildwiederholraten von bis zu 120 Hz. Das Sichtfeld beträgt 46 Grad, während das virtuelle Bild laut Hersteller einem etwa 135 Zoll großen Display entspricht. Die Brille wiegt rund 77 Gramm und bietet eine integrierte Dioptrienanpassung für Kurzsichtigkeit bis -5,0 dpt. Die hohe Pixeldichte von 49 Pixeln pro Grad ist besonders für Text und Benutzeroberflächen relevant, weil bei Display-Brillen nicht nur Spiele und Filme, sondern zunehmend auch Desktop-Inhalte dargestellt werden. Hinzu kommen integrierter Spatial Sound und eine weiterentwickelte elektrochrome Tönung. Im Gegensatz zu autarken Smartglasses besitzt die VITURE Pro keinen eigenen Akku für einen vollständig unabhängigen Betrieb, sondern wird normalerweise über das angeschlossene Gerät mit Energie und Bildsignal versorgt. Genau diese Trennung ermöglicht den vergleichsweise schlanken Formfaktor.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist inzwischen die Software SpaceWalker. Sie erweitert die Brillen über die reine Darstellung eines gespiegelten Bildschirms hinaus und ermöglicht auf unterstützten Plattformen mehrere virtuelle Monitore, unterschiedliche Bildschirmpositionen sowie räumliches Head-Tracking. Ein Nutzer kann beispielsweise auf einem Notebook mehrere virtuelle Arbeitsflächen erzeugen, obwohl physisch nur die Brille und der Computer vorhanden sind. Bei den meisten VITURE-Modellen wird dabei 3DoF-Tracking verwendet: Das System erkennt die Rotation des Kopfes, sodass ein virtueller Monitor scheinbar an einer festen Richtung im Raum verbleiben kann. Damit versucht VITURE, seine Hardware nicht nur als tragbaren Fernseher für Spiele und Filme, sondern zunehmend als persönlichen Arbeitsplatz mit virtuellen Displays zu positionieren.
2025 begann mit der Luma-Serie eine neue Produktgeneration. Die Familie umfasst Luma, Luma Pro und Luma Ultra und führte 1200p-Displays sowie größere Sichtfelder in das Portfolio ein. Die normale VITURE Luma verwendet Sony-Micro-OLED-Panels mit 1.920 × 1.200 Pixeln pro Auge, erreicht bis zu 120 Hz und stellt laut Hersteller ein virtuelles Bild von rund 146 Zoll bei 50 Grad Sichtfeld dar. Die wahrgenommene Spitzenhelligkeit liegt bei bis zu 1.000 Nits. Gleichzeitig wurde die integrierte Kurzsichtigkeitskorrektur auf bis zu -6,0 dpt erweitert. Die Luma-Serie verdeutlicht dabei eine wichtige Entwicklung des gesamten Marktes: Display-Brillen werden nicht mehr ausschließlich für Videowiedergabe entwickelt, sondern sollen zunehmend scharfe Texte, Desktop-Oberflächen und produktive Anwendungen darstellen können.
Besonders interessant ist die VITURE Luma Ultra, weil sie die Grenze zwischen einfacher Display-Brille und echter Augmented Reality deutlich stärker verschiebt. Neben den Micro-OLED-Displays besitzt sie eine nach vorne gerichtete RGB-Kamera und zwei Graustufen-Kameras zur räumlichen Erfassung. Dadurch werden 6DoF-Tracking, Hand-Tracking und räumlich fixierte digitale Inhalte möglich. Während 3DoF lediglich erkennt, wohin der Kopf gedreht wird, erfasst 6DoF zusätzlich Bewegungen nach vorne, hinten, oben, unten und zur Seite. Ein virtueller Bildschirm kann dadurch tatsächlich an einer Position im Raum verankert bleiben, wenn sich der Nutzer um ihn herum bewegt. VITURE integriert hierfür einen eigenen Prozessor in die Brille, der die notwendigen Tracking-Berechnungen übernimmt. In Verbindung mit SpaceWalker auf Mac und Windows oder kompatiblen Recheneinheiten kann die Luma Ultra dadurch erheblich stärker in Richtung Spatial Computing gehen als die früheren Modelle.
Am oberen Ende des aktuellen Portfolios steht die VITURE Beast. Sie verwendet ebenfalls Sony-Micro-OLED-Technologie, erhöht das Sichtfeld jedoch auf 58 Grad und erzeugt laut Hersteller aus einer Betrachtungsdistanz von vier Metern ein virtuelles Bild mit einer Diagonale von bis zu 174 Zoll. Die Auflösung beträgt 1.920 × 1.200 Pixel pro Auge, die Bildwiederholrate bis zu 120 Hz und die wahrgenommene Spitzenhelligkeit bis zu 1.250 Nits. Hinzu kommen integriertes VisionPair-3DoF-Tracking, eine in neun Stufen regelbare elektrochrome Tönung sowie ein gemeinsam mit Harman entwickeltes Audiosystem. Eine Frontkamera erweitert zudem die Möglichkeiten für räumliche Funktionen. Damit zeigt die Beast besonders deutlich, worauf VITURE seine Flaggschiffmodelle optimiert: möglichst große, helle und scharfe virtuelle Displays in einem Formfaktor, der wesentlich näher an einer Brille als an einem klassischen VR-Headset liegt.
VITURE entwickelt dabei nicht nur einzelne Brillen, sondern zunehmend ein modulares XR-Ökosystem. Zubehör wie der Pro Mobile Dock verbindet beispielsweise HDMI- und USB-C-Geräte mit den Brillen und kann gleichzeitig als zusätzlicher Akku dienen. Mit dem Pro Neckband bietet VITURE eine tragbare Recheneinheit an, die Anwendungen und Streaming-Funktionen unabhängig von einem direkt angeschlossenen Smartphone oder Computer bereitstellen kann. Hinzu kommen Adapter, Controller-Kooperationen und Software für Windows, macOS, Android und iOS. Dadurch kann derselbe Brillenformfaktor abhängig vom angeschlossenen Zubehör sehr unterschiedliche Rollen übernehmen: persönlicher Gaming-Monitor, mobiles Kino, Multi-Monitor-Arbeitsplatz oder räumliche AR-Plattform. Gerade diese Trennung von Display und Recheneinheit unterscheidet VITURE von Headsets wie Meta Quest oder Apple Vision Pro, bei denen ein Großteil der Computertechnik direkt am Kopf getragen wird.
Seit 2025 erweitert VITURE seine Strategie außerdem stärker in Richtung Enterprise, Augmented Reality und künstliche Intelligenz. Das Unternehmen bezeichnet die Luma Ultra als wichtigen Schritt von reinen Extended Displays hin zu echten räumlichen AR-Anwendungen und bietet inzwischen SDKs für professionelle Softwareentwicklung an. VITURE arbeitet zudem an Anwendungen im Bildungs-, Medizin- und Unternehmensbereich und hat Kooperationen unter anderem mit NVIDIA und Stanford kommuniziert. Für Industrieanwendungen wurde 2026 mit Helix außerdem eine KI-fähige Schutzbrille vorgestellt. Gleichzeitig erhielt das Unternehmen innerhalb von sechs Monaten Finanzierungszusagen von insgesamt mehr als 200 Millionen US-Dollar, die unter anderem in internationale Expansion, Enterprise-Anwendungen und die weitere Verbindung von XR und KI fließen sollen.
Damit nimmt VITURE innerhalb des XR-Marktes eine interessante Zwischenposition ein. Die Marke konkurriert nicht unmittelbar mit vollständigen VR-Systemen, sondern konzentriert sich auf leichte Micro-OLED-Brillen, virtuelle Großbildschirme und räumliche Displays, die vorhandene Smartphones, PCs und Konsolen ergänzen. Gleichzeitig bewegt sich das Unternehmen mit Luma Ultra zunehmend in Richtung echter Augmented Reality mit Kameras, 6DoF und Hand-Tracking. Das aktuelle Portfolio reicht 2026 von der günstigeren Pro 2 über Luma, Luma Pro und Luma Ultra bis zur Beast und deckt damit unterschiedliche Abstufungen zwischen einfachem persönlichem Display und räumlichem Computer ab. Die entscheidende Stärke von VITURE liegt deshalb weniger darin, Smartphone oder Computer vollständig zu ersetzen. Stattdessen versucht das Unternehmen, den physischen Bildschirm selbst überflüssiger zu machen. Gaming-Handheld, Notebook oder Smartphone liefern weiterhin Anwendungen und Rechenleistung, während die Brille einen privaten, nahezu überall verfügbaren Bildschirm erzeugt. Mit wachsendem Sichtfeld, höherer Auflösung, Raumtracking und Handsteuerung nähert sich dieses Konzept jedoch Schritt für Schritt dem Spatial Computing an. Gerade diese Entwicklung von der einfachen Display-Brille zur leichten AR-Plattform macht VITURE zu einer der interessantesten Marken im aktuellen Markt für XR Glasses.