Pico 4 Ultra

Die Pico 4 Ultra ist ein Standalone-VR- und Mixed-Reality-Headset, das die bekannte Pico-4-Plattform technisch deutlich erweitert. Statt vor allem die Displayauflösung zu erhöhen, setzt Pico auf mehr Rechenleistung, 12 GB Arbeitsspeicher, stereoskopisches Farb-Passthrough, einen zusätzlichen Tiefensensor, Wi-Fi 7 und neue Controller ohne große Tracking-Ringe. Dadurch soll das Headset nicht nur für klassische VR-Spiele, sondern stärker auch für Mixed Reality, PC-VR, virtuelle Arbeitsflächen und räumliche Medien geeignet sein.


Die Pico 4 Ultra wirkt auf den ersten Blick wie eine behutsame Weiterentwicklung der normalen Pico 4. Grunddesign, Pancake-Linsen und Displayauflösung bleiben sehr ähnlich, während sich die größeren Veränderungen unter der Haube und an der Vorderseite befinden. Der Snapdragon XR2 Gen 2 bringt deutlich mehr Grafikleistung, zwei hochauflösende RGB-Kameras verbessern die Sicht auf die reale Umgebung und ein iToF-Tiefensensor hilft dabei, Räume und Objekte besser zu erfassen.

Damit verfolgt Pico einen ähnlichen Ansatz wie Meta mit der Quest 3. Beide Headsets sollen nicht mehr nur virtuelle Welten darstellen, sondern reale Umgebung und digitale Inhalte miteinander verbinden. Gleichzeitig bleibt die Pico 4 Ultra auch für klassisches PC-VR interessant, weil sie mit Wi-Fi 7, AV1-Unterstützung und Pico Connect gute Voraussetzungen für drahtloses Streaming bietet.

Was ist die Pico 4 Ultra?

Die Pico 4 Ultra ist ein eigenständig nutzbares XR-Headset. Spiele, Apps und Medien können direkt auf dem Gerät ausgeführt werden, ohne dass ein PC angeschlossen werden muss. Gleichzeitig lässt sich die Brille mit einem leistungsfähigen Windows-PC verbinden, um PC-VR-Inhalte zu streamen.

Technisch gehört das Gerät damit zur gleichen Klasse wie Meta Quest 3. Beide Modelle kombinieren Virtual Reality mit Mixed Reality und setzen auf Pancake-Linsen, Inside-out-Tracking und einen mobilen XR-Prozessor.

Die Pico 4 Ultra unterscheidet sich allerdings in mehreren Details. Sie besitzt mehr Arbeitsspeicher, nutzt Wi-Fi 7 und verteilt das Gewicht durch den rückseitig eingebauten Akku vergleichsweise ausgewogen. Gleichzeitig ist das native App-Angebot kleiner als bei Meta, was in der Praxis mindestens genauso wichtig sein kann wie technische Daten.

Snapdragon XR2 Gen 2 bringt deutlich mehr Leistung

Im Inneren arbeitet Qualcomms Snapdragon XR2 Gen 2. Der Chip ist speziell für moderne XR-Headsets entwickelt und bringt gegenüber der ersten XR2-Generation vor allem eine deutlich stärkere GPU.

Pico spricht von rund 20 Prozent höherer CPU- und bis zu 250 Prozent höherer Grafikleistung gegenüber der vorherigen Plattform. Für Spiele bedeutet das nicht automatisch eine 2,5-fach bessere Grafik, eröffnet Entwicklern aber deutlich mehr Spielraum für höhere Rendering-Auflösung, bessere Texturen, komplexere Beleuchtung und aufwendigere Mixed-Reality-Anwendungen.

Besonders wichtig ist die Mehrleistung beim Passthrough. Mixed Reality benötigt erhebliche Rechenleistung, weil mehrere Kameras gleichzeitig ausgewertet, Tiefeninformationen verarbeitet und virtuelle Objekte möglichst stabil in der realen Umgebung verankert werden müssen. Genau hier profitiert die Pico 4 Ultra stark vom neueren Chip.

12 GB RAM statt 8 GB

Zusätzlich zum XR2 Gen 2 besitzt die Pico 4 Ultra 12 GB LPDDR5-Arbeitsspeicher. Damit liegt sie über der normalen Pico 4 und auch über manchen direkten Konkurrenten.

Mehr Arbeitsspeicher ist vor allem bei Multitasking, großen Anwendungen und hochauflösenden Assets hilfreich. Mehrere geöffnete Fenster oder umfangreiche Mixed-Reality-Szenen können dadurch mehr Daten gleichzeitig im Speicher halten.

Der größere RAM ist allerdings kein automatischer Leistungsvorteil in jeder Anwendung. Spiele müssen diese zusätzlichen Ressourcen auch tatsächlich nutzen. Eine schlecht optimierte App läuft nicht automatisch besser, nur weil mehr Arbeitsspeicher vorhanden ist.

256 GB interner Speicher

Die Pico 4 Ultra wird regulär mit 256 GB internem Speicher angeboten. Eine Auswahl zwischen mehreren Kapazitäten gibt es nicht.

Für die meisten Standalone-Spiele und Apps reicht diese Größe aus. Größere VR-Spiele können jedoch schnell mehrere Dutzend Gigabyte belegen, sodass der verfügbare Platz bei umfangreichen Bibliotheken irgendwann knapp werden kann.

Eine Speichererweiterung über microSD ist nicht vorgesehen. Wer viele große Titel installiert, muss daher regelmäßig entscheiden, welche Anwendungen lokal gespeichert bleiben.

Zwei Displays mit 2160 × 2160 Pixeln pro Auge

Die Pico 4 Ultra verwendet zwei LCD-Panels mit jeweils 2160 × 2160 Pixeln. Damit entspricht die physische Auflösung weitgehend der normalen Pico 4.

Auf dem Papier wirkt das zunächst wenig spektakulär. Der Unterschied entsteht vor allem dadurch, dass der leistungsstärkere Prozessor Inhalte in höherer interner Auflösung berechnen kann. Pico nennt für die Ultra eine höhere Rendering-Auflösung als beim Vorgänger.

Damit verbessert sich die wahrgenommene Bildqualität teilweise, obwohl die Panels selbst nicht wesentlich verändert wurden. Texturen können schärfer dargestellt werden und feine Details profitieren von der zusätzlichen Rechenleistung.

Pancake-Linsen bleiben ein großer Vorteil

Wie schon die Pico 4 verwendet auch die Ultra Pancake-Linsen. Diese Bauweise ermöglicht deutlich flachere Optiken als ältere Fresnel-Systeme.

Dadurch sitzt das Headset näher am Gesicht und wirkt weniger frontlastig. Gleichzeitig reduzieren Pancake-Linsen typische Lichtartefakte wie starke God Rays.

Die Pico-Optik besitzt jedoch nicht überall die gleiche Schärfe. Der zentrale Bereich ist vergleichsweise klar, während die Bildqualität zum Rand hin stärker abnehmen kann. Gerade beim Lesen kleiner Texte oder beim Arbeiten mit virtuellen Monitoren fällt dieser Unterschied eher auf als bei schnellen VR-Spielen.

Sichtfeld von rund 105 Grad

Pico gibt ein Sichtfeld von rund 105 Grad an. Damit bewegt sich die Pico 4 Ultra im typischen Bereich moderner Standalone-Headsets.

Das Sichtfeld reicht aus, um ein überzeugendes VR-Gefühl zu erzeugen. Trotzdem bleibt die Wahrnehmung stärker begrenzt als beim natürlichen menschlichen Sehen.

Der Pupillenabstand lässt sich zwischen ungefähr 58 und 72 Millimetern einstellen. Eine korrekte Einstellung ist wichtig, weil sie Einfluss auf Schärfe, Komfort und Tiefenwahrnehmung hat.

Mixed Reality ist eine der größten Verbesserungen

Der größte Unterschied zur normalen Pico 4 zeigt sich beim Passthrough. Statt nur einer einzelnen Farbkamera setzt die Ultra auf zwei 32-Megapixel-RGB-Kameras.

Dadurch kann das Headset die Umgebung stereoskopisch erfassen. Jedes Auge erhält eine eigene Kameraperspektive, wodurch Tiefeninformationen wesentlich natürlicher wahrgenommen werden.

Gerade bei Mixed-Reality-Anwendungen ist das entscheidend. Virtuelle Objekte können realistischer im Raum platziert werden, weil die reale Umgebung nicht mehr nur wie ein flaches Videobild wirkt.

Die 32-MP-Angabe richtig einordnen

Die hohe Auflösung der beiden Kameras klingt beeindruckend, sollte aber nicht mit der tatsächlich sichtbaren Passthrough-Auflösung verwechselt werden. Das Headset zeigt nicht einfach zwei rohe 32-Megapixel-Bilder vor den Augen.

Die Kameradaten werden verarbeitet, skaliert, entzerrt und an das Sichtfeld angepasst. Pico spricht deshalb bei der effektiven Farbdarstellung von einer deutlich niedrigeren visuellen Auflösung.

In der Praxis ist das Passthrough klar genug, um die Umgebung zu erkennen und teilweise auch ein Smartphone abzulesen. Gleichzeitig bleiben Bildrauschen, Verzerrungen und leichte Unschärfen sichtbar.

iToF-Tiefensensor für bessere Raumwahrnehmung

Zusätzlich zu den RGB-Kameras besitzt die Pico 4 Ultra einen iToF-Sensor. Time-of-Flight-Technik misst Entfernungen zu Flächen und Objekten.

Dadurch kann das Headset ein räumliches Modell der Umgebung aufbauen. Wände, Bodenflächen und andere Strukturen lassen sich zuverlässiger erkennen.

Für Mixed Reality ist das besonders wichtig. Ein virtueller Gegenstand soll nicht nur vor einer realen Wand schweben, sondern möglichst korrekt davor, darauf oder dahinter erscheinen. Tiefeninformationen helfen dem System dabei, diese Beziehungen besser zu verstehen.

Spatial Mesh und räumliche Verankerung

Die Pico 4 Ultra kann ein sogenanntes Spatial Mesh erstellen. Dabei wird die Umgebung als dreidimensionales Netz erfasst.

Apps können dadurch erkennen, wo sich Boden, Wände, Möbel oder freie Flächen befinden. Virtuelle Objekte lassen sich anschließend stabil im Raum positionieren.

Spatial Anchors ermöglichen zusätzlich, bestimmte Positionen dauerhaft zu speichern. Eine virtuelle Anzeige kann dadurch auch später wieder an ungefähr derselben Stelle im Raum erscheinen.

Diese Funktionen sind besonders wichtig für Mixed-Reality-Spiele, virtuelle Arbeitsbereiche und Anwendungen, die reale Räume langfristig mit digitalen Objekten erweitern.

Räumliche Fotos und Videos

Mit den beiden Frontkameras können auch stereoskopische Fotos und Videos aufgenommen werden. Dadurch entsteht ein räumlicher Eindruck, der beim späteren Ansehen im Headset deutlich plastischer wirkt als bei klassischen zweidimensionalen Aufnahmen.

Pico unterstützt räumliche Videos mit bis zu 2048 × 1536 Pixeln und 60 Bildern pro Sekunde. Die Funktion richtet sich vor allem an Nutzer, die persönliche Erinnerungen oder Szenen dreidimensional festhalten möchten.

Die Aufnahmequalität erreicht allerdings nicht das Niveau professioneller Stereokameras. Die Funktion ist eher als interessantes Zusatzfeature zu verstehen und weniger als Hauptargument für das Headset.

Spatial Video von iPhone und Apple Vision Pro

Die Pico 4 Ultra kann auch räumliche Medien aus anderen Ökosystemen abspielen. Dazu gehören kompatible Spatial Videos, die beispielsweise mit aktuellen iPhones aufgenommen wurden.

Das macht die Brille zu einer vergleichsweise günstigen Möglichkeit, solche Inhalte in stereoskopischer Form anzusehen.

Damit zeigt sich ein interessanter Trend im XR-Markt. Räumliche Fotos und Videos entwickeln sich langsam zu einem Format, das nicht mehr vollständig an ein einzelnes Headset gebunden ist.

Neue ringlose Controller

Die Controller wurden gegenüber der Pico 4 deutlich überarbeitet. Auffällig ist vor allem der Verzicht auf die großen Tracking-Ringe.

Dadurch wirken die Eingabegeräte kompakter und lassen sich näher aneinander bewegen. Gerade bei Spielen, bei denen beide Hände vor dem Körper zusammengeführt werden, ist das praktischer.

Das Tracking erfolgt weiterhin über die Kameras am Headset. Zusätzlich kommen Sensoren im Controller zum Einsatz, um Bewegung und Rotation möglichst präzise zu erfassen.

Haptisches Feedback

Die Controller verwenden Linearmotoren für haptische Rückmeldungen. Dadurch lassen sich unterschiedliche Vibrationen simulieren.

In VR-Spielen können beispielsweise Schüsse, Berührungen oder Werkzeugbewegungen unterschiedlich spürbar gemacht werden.

Die Haptik erreicht nicht die Qualität spezialisierter VR-Handschuhe oder aufwendiger Force-Feedback-Systeme, ist aber für klassische Controller-Eingaben vollkommen ausreichend.

Handtracking ohne Controller

Zusätzlich unterstützt die Pico 4 Ultra Handtracking. Die Kameras können Hände und Finger erkennen und deren Position in den virtuellen Raum übertragen.

Dadurch lassen sich bestimmte Anwendungen vollständig ohne Controller bedienen. Besonders bei Menüs, Medienanwendungen oder einfachen Mixed-Reality-Erfahrungen wirkt das natürlicher.

Für schnelle Spiele oder sehr präzise Eingaben bleiben Controller jedoch überlegen. Handtracking kann durch schlechte Lichtverhältnisse, verdeckte Finger oder schnelle Bewegungen an Genauigkeit verlieren.

Kein Eye-Tracking

Eine wichtige Einschränkung ist das fehlende Eye-Tracking. Die Pico 4 Ultra erkennt nicht, wohin der Nutzer innerhalb des Displays schaut.

Damit entfallen mehrere Funktionen, die bei High-End-Headsets zunehmend verbreitet sind. Menüs können nicht direkt mit dem Blick ausgewählt werden und dynamisches Foveated Rendering kann nicht anhand der tatsächlichen Augenposition gesteuert werden.

Gerade der Name „Ultra“ könnte hier höhere Erwartungen wecken. Technisch bleibt das Headset in diesem Bereich unter Geräten wie Apple Vision Pro oder anderen Premium-XR-Modellen.

Kein Face-Tracking

Auch Face-Tracking ist nicht integriert. Gesichtsausdrücke werden daher nicht automatisch auf Avatare übertragen.

Für klassische VR-Spiele ist das kaum relevant. In Social-VR-Anwendungen kann es allerdings einen Unterschied machen, weil Avatare weniger natürliche Mimik besitzen.

Wer besonders realistische soziale Präsenz sucht, benötigt zusätzliche Hardware oder ein anderes Headset.

Pico Motion Tracker für Ganzkörpertracking

Eine interessante Erweiterung sind die optionalen Pico Motion Tracker. Diese kleinen Sensoren können beispielsweise an den Beinen befestigt werden.

Zusammen mit dem Headset ermöglichen sie eine bessere Erfassung von Unterkörperbewegungen. Besonders in Social VR, Fitnessanwendungen oder Tanzspielen wirkt ein Avatar dadurch deutlich natürlicher.

Pico spricht von einer hohen Tracking-Frequenz und sehr niedriger Latenz. Die Sensoren erfassen Bewegungsdaten und kombinieren sie mit dem Tracking des Headsets und der Controller.

Waist Tracker erweitert das System

Pico hat das Motion-Tracking-System inzwischen um einen zusätzlichen Hüftsensor erweitert. Dieser Waist Tracker verbessert die Erfassung der Körpermitte.

Dadurch können Bewegungen beim Sitzen, Liegen oder Drehen genauer interpretiert werden.

Für klassische VR-Spiele ist diese Zusatzhardware kaum notwendig. Für VRChat, Tanz, Social VR oder Motion-Capture-Anwendungen kann sie dagegen sehr interessant sein.

Wi-Fi 7 als Besonderheit

Die Pico 4 Ultra gehört zu den frühen XR-Headsets mit Wi-Fi 7. Gegenüber Wi-Fi 6 und Wi-Fi 6E stehen theoretisch höhere Bandbreiten und geringere Latenzen zur Verfügung.

Für normales Standalone-VR spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle. Interessant wird Wi-Fi 7 vor allem beim drahtlosen PC-VR-Streaming.

Mit einem passenden Router und einem leistungsfähigen Gaming-PC können sehr hohe Datenraten übertragen werden. Dadurch lässt sich Bildkompression reduzieren und die Streaming-Qualität verbessern.

PC-VR über Pico Connect

Pico Connect ermöglicht die Verbindung mit einem Windows-PC. Dadurch können PC-VR-Spiele drahtlos oder kabelgebunden auf die Brille gestreamt werden.

Für viele Nutzer ist das einer der interessantesten Einsatzzwecke der Pico 4 Ultra. Der native Pico-Store ist kleiner als das Meta-Ökosystem, während auf dem PC eine riesige Auswahl an SteamVR- und anderen VR-Titeln verfügbar ist.

Die Qualität hängt stark vom Netzwerk ab. Ein leistungsfähiger Router, möglichst freie Funkkanäle und eine kabelgebundene Verbindung zwischen PC und Router verbessern das Ergebnis deutlich.

AV1 für effizienteres Streaming

Die Pico 4 Ultra unterstützt den AV1-Codec. Moderne Grafikkarten können damit Videodaten effizient komprimieren.

Das ist besonders für kabelloses PC-VR interessant. Bei gleicher Bandbreite kann AV1 eine höhere Bildqualität liefern als ältere Codecs.

Nicht jede Grafikkarte unterstützt AV1-Hardware-Encoding. Wer den Vorteil nutzen möchte, benötigt daher entsprechend aktuelle PC-Hardware.

Virtuelle Monitore über Pico Connect

Pico Connect kann nicht nur Spiele streamen. Auch klassische Windows- und Mac-Bildschirme lassen sich in das Headset übertragen.

Mehrere virtuelle Fenster können gleichzeitig im Raum platziert werden. Dadurch entsteht eine große virtuelle Arbeitsfläche, ohne dass mehrere physische Monitore benötigt werden.

Auch Smartphone-Bildschirme lassen sich einbinden. Damit nähert sich Pico funktional dem Spatial-Computing-Konzept anderer XR-Plattformen an.

PanoScreen für große Arbeitsflächen

Mit PanoScreen können mehrere Fenster in einer 360-Grad-Umgebung angeordnet werden. Einzelne virtuelle Bildschirme lassen sich stark vergrößern.

Pico spricht von virtuellen Größen bis etwa 280 Zoll. Solche Zahlen sollten allerdings nicht mit einem echten physischen Fernseher dieser Größe verwechselt werden.

Die subjektive Größe entsteht lediglich durch die virtuelle Entfernung und Skalierung. Für produktives Arbeiten sind deshalb vor allem Schärfe, Komfort und Lesbarkeit entscheidend.

Produktivität in VR

Die Pico 4 Ultra kann grundsätzlich als Arbeitsgerät genutzt werden. Browser, virtuelle Monitore und mehrere Fenster funktionieren technisch gut.

Für kurze Arbeitsphasen kann das interessant sein, besonders wenn unterwegs keine großen Displays verfügbar sind.

Für mehrere Stunden Büroarbeit bleibt ein physischer Monitor allerdings komfortabler. Das Headset wiegt mehrere hundert Gramm und die optische Schärfe erreicht nicht überall die Klarheit eines hochwertigen Displays.

Ausgewogene Gewichtsverteilung

Die Pico 4 Ultra wiegt rund 580 Gramm. Damit gehört sie nicht zu den besonders leichten XR-Headsets.

Der Akku befindet sich jedoch im hinteren Teil des Kopfbandes. Dadurch verteilt sich das Gewicht zwischen Vorder- und Rückseite.

Diese Konstruktion reduziert den typischen Druck auf Gesicht und Nase, der bei frontlastigen Standalone-Headsets entstehen kann.

Das Gesamtgewicht bleibt trotzdem spürbar. Gerade bei sehr langen Sessions kann der Tragekomfort stark von Kopfform und Gesichtspolster abhängen.

Akku mit rund 5700 mAh

Der integrierte Akku besitzt eine Kapazität von ungefähr 5700 mAh.

Die tatsächliche Laufzeit hängt stark von der Anwendung ab. Anspruchsvolle Mixed-Reality-Szenen, hohe Displayhelligkeit, Wi-Fi-Streaming und aufwendige Spiele benötigen deutlich mehr Energie als einfache Medienwiedergabe.

In typischen VR-Sessions muss mit wenigen Stunden Laufzeit gerechnet werden. Das entspricht grundsätzlich dem Niveau anderer aktueller Standalone-Headsets.

Schnellladen mit bis zu 45 Watt

Die Pico 4 Ultra unterstützt schnelles Laden mit bis zu 45 Watt. Dabei kommen unter anderem USB Power Delivery und Quick Charge zum Einsatz.

Das ist praktisch, weil der relativ große Akku schneller wieder aufgeladen werden kann.

Wer längere Sessions plant, kann das Headset teilweise auch während der Nutzung mit einer Powerbank betreiben. Dabei sollte allerdings auf ausreichend Leistung und ein geeignetes Kabel geachtet werden.

Integrierte Lautsprecher

Im Headset sind Stereo-Lautsprecher integriert. Dadurch können Spiele und Medien genutzt werden, ohne zusätzliche Kopfhörer anzuschließen.

Der Klang ist für normales VR-Gaming ausreichend und erzeugt einen räumlichen Eindruck.

Für maximale Audioqualität bleiben externe Kopfhörer überlegen. Ein klassischer 3,5-mm-Klinkenanschluss fehlt allerdings.

Vier Mikrofone

Die Pico 4 Ultra besitzt mehrere integrierte Mikrofone. Sie werden für Sprachkommunikation, Apps und räumliche Audioaufnahmen genutzt.

Gerade in Social VR ist eine gute Sprachübertragung wichtig.

Die Mikrofone ersetzen kein professionelles Recording-Setup, sind für Kommunikation und normale Aufnahmen aber ausreichend.

Pico OS als Betriebssystem

Die Pico 4 Ultra läuft auf Pico OS. Das System basiert auf Android und wurde speziell für VR und Mixed Reality angepasst.

Apps können über den Pico Store installiert werden. Zusätzlich gibt es Systemfunktionen für Passthrough, virtuelle Fenster, Dateiverwaltung und PC-Verbindung.

Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich, wirkt aber in einigen Bereichen weniger ausgereift als Metas Horizon OS. Gerade beim App-Angebot zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Plattformen.

Kleineres App-Ökosystem als Meta

Die größte Schwäche der Pico 4 Ultra liegt weniger in der Hardware als im Softwareangebot.

Der Pico Store bietet zahlreiche bekannte VR-Spiele und Anwendungen, erreicht aber nicht die Auswahl des Meta-Quest-Ökosystems. Einige populäre Titel erscheinen gar nicht oder deutlich später.

Für Nutzer, die hauptsächlich PC-VR verwenden, ist das weniger problematisch. Wer dagegen ausschließlich Standalone spielen möchte, sollte vor dem Kauf prüfen, ob die gewünschten Apps verfügbar sind.

Pico OS 6 kommt nicht regulär auf die Pico 4 Ultra

2026 hat Pico die nächste große Betriebssystemgeneration angekündigt. Pico OS 6 soll stärker auf Spatial Computing, mehrere gleichzeitig aktive Anwendungen und eine neue Mixed-Reality-Plattform ausgerichtet sein.

Die neue Software wurde jedoch primär für die kommende Hardwaregeneration rund um Project Swan entwickelt.

Die Pico 4 Ultra bleibt damit auf der bisherigen Pico-OS-Plattform. Für Käufer im Jahr 2026 ist das wichtig, weil das Headset technisch weiterhin leistungsfähig ist, aber nicht mehr das Zentrum von Picos langfristiger Plattformstrategie darstellt.

Project Swan steht bereits vor der Tür

Pico arbeitet inzwischen an einer neuen Premium-Generation unter dem Projektnamen Swan.

Das kommende Headset soll unter anderem auf deutlich höher auflösende Micro-OLED-Displays und eine neue Hardwareplattform setzen. Gleichzeitig bildet Pico OS 6 die Softwarebasis.

Dadurch befindet sich die Pico 4 Ultra 2026 in einer interessanten Position. Sie ist weiterhin das etablierte Consumer-Modell, steht aber bereits kurz vor einem größeren Generationswechsel.

Pico 4 Ultra vs. Pico 4

Der Unterschied zur normalen Pico 4 liegt weniger bei Display und Linsen als bei Rechenleistung und Mixed Reality.

Beide Geräte verwenden eine ähnliche physische Auflösung und Pancake-Optik. Die Ultra besitzt allerdings den deutlich stärkeren Snapdragon XR2 Gen 2, mehr RAM, zwei RGB-Kameras und einen zusätzlichen Tiefensensor.

Auch Wi-Fi 7 und die neuen Controller sind klare Verbesserungen.

Wer bereits eine Pico 4 besitzt und hauptsächlich klassische VR-Spiele spielt, erlebt deshalb keinen vollständigen Generationssprung. Für Mixed Reality, PC-VR und anspruchsvollere Anwendungen ist die Ultra jedoch deutlich moderner.

Pico 4 Ultra vs. Meta Quest 3

Die Meta Quest 3 ist der wichtigste direkte Konkurrent.

Auf dem Datenblatt besitzt die Pico 4 Ultra mehrere Vorteile. Dazu gehören 12 GB RAM, Wi-Fi 7, zwei hochauflösende RGB-Kameras und eine sehr ausgeglichene Gewichtsverteilung.

Die Quest 3 punktet dagegen mit einem deutlich größeren App-Ökosystem, sehr guten Pancake-Linsen und einer über Jahre gewachsenen Softwareplattform.

In der Praxis hängt die Entscheidung deshalb stark vom Einsatzzweck ab. Wer hauptsächlich Standalone-Spiele spielen möchte, profitiert häufig stärker vom Meta-Ökosystem. Wer PC-VR, Wi-Fi-Streaming und Picos ausgewogene Bauweise schätzt, findet in der Pico 4 Ultra eine interessante Alternative.

Technische Daten

EigenschaftPico 4 Ultra
ProdukttypStandalone-VR-/Mixed-Reality-Headset
ProzessorQualcomm Snapdragon XR2 Gen 2
Arbeitsspeicher12 GB LPDDR5
interner Speicher256 GB UFS 3.1
Displays2 × LCD
Auflösung2160 × 2160 Pixel pro Auge
Bildwiederholratebis 90 Hz
OptikPancake-Linsen
Sichtfeldca. 105°
IPDca. 58–72 mm
Passthrough2 × 32-MP-RGB-Kamera
TiefensensoriToF
Tracking-Kameras4
Controller2 × ringlos, 6DoF
Handtrackingja
Eye-Trackingnein
Face-Trackingnein
Ganzkörpertrackingoptional mit Pico Motion Tracker
Wi-FiWi-Fi 7
Bluetooth5.3
PC-VRkabelgebunden und drahtlos
Codecunter anderem AV1
räumliche Videosbis 2048 × 1536, 60 fps
Akkuca. 5700 mAh
Ladenbis 45 W
Gewichtca. 580 g
BetriebssystemPico OS 5
Pico OS 6nicht als reguläres Upgrade vorgesehen

Für wen eignet sich die Pico 4 Ultra?

Die Pico 4 Ultra eignet sich besonders für Nutzer, die ein Standalone-Headset möchten, gleichzeitig aber regelmäßig PC-VR nutzen. Wi-Fi 7, AV1 und Pico Connect machen sie zu einer interessanten Streaming-Brille.

Auch Mixed-Reality-Anwendungen profitieren deutlich von den beiden RGB-Kameras und dem Tiefensensor. Wer mit virtuellen Objekten im realen Raum experimentieren möchte, bekommt deutlich mehr Möglichkeiten als bei der ursprünglichen Pico 4.

Für Social-VR-Nutzer kann zusätzlich das optionale Motion-Tracking interessant sein. Mit Bein- und Hüfttrackern lassen sich Bewegungen wesentlich vollständiger auf Avatare übertragen.

Für wen ist sie weniger geeignet?

Wer hauptsächlich Standalone-Spiele spielt und möglichst viele exklusive Titel möchte, sollte das kleinere Pico-Ökosystem berücksichtigen.

Auch Nutzer, die Eye-Tracking, Face-Tracking oder besonders hochauflösende Micro-OLED-Displays suchen, werden hier nicht fündig.

Zusätzlich befindet sich das Gerät 2026 bereits nahe am Ende seiner Position als aktuelles Pico-Flaggschiff, weil mit Project Swan eine neue Plattform angekündigt ist.

Pico 4 Ultra zwischen VR, Mixed Reality und PC-Streaming

Die Pico 4 Ultra ist keine radikale Neuerfindung der Pico 4, sondern eine gezielte technische Modernisierung. Displays und Pancake-Linsen bleiben vertraut, während Prozessor, Arbeitsspeicher, Mixed-Reality-Sensorik, Controller und Netzwerk deutlich aufgewertet wurden.

Gerade diese Schwerpunktsetzung macht das Headset interessant. Wer nur Datenblätter vergleicht, könnte sich fragen, warum die Auflösung kaum gestiegen ist. In der Praxis beeinflussen jedoch Rechenleistung, Passthrough, Tiefenerkennung und Streaming mindestens genauso stark, was ein modernes XR-Headset leisten kann.

2026 ist die Pico 4 Ultra deshalb weiterhin ein leistungsfähiges Standalone- und PC-VR-System, befindet sich aber gleichzeitig in einer Übergangsphase. Mit Project Swan und Pico OS 6 bereitet Pico bereits die nächste Generation vor. Wer heute kauft, erhält ein technisch starkes Headset mit guter Mixed Reality und interessantem PC-VR-Potenzial, sollte aber wissen, dass Picos nächste große Plattform bereits angekündigt ist.