Die RayNeo X2 ist eine eigenständig arbeitende Augmented-Reality-Brille, die ein binokulares Vollfarb-MicroLED-Display, Kamera, Lautsprecher, Mikrofone, Navigation und KI-Funktionen direkt in einem brillenähnlichen Gehäuse kombiniert. Anders als reine Display-Brillen der RayNeo-Air-Serie benötigt die X2 keinen permanent angeschlossenen Computer oder ein Smartphone als Bildquelle. Mit Qualcomm Snapdragon XR2, 6 GB RAM, 128 GB Speicher und einem integrierten 590-mAh-Akku besitzt sie ihre eigene Rechenplattform und kann zahlreiche AR-Funktionen direkt auf der Brille ausführen.
Im Alltag soll die RayNeo X2 digitale Informationen dort anzeigen, wo sie benötigt werden: direkt innerhalb des natürlichen Sichtfeldes. Navigation, Übersetzungen, Benachrichtigungen und AR-Anwendungen können über transparente Waveguide-Optiken eingeblendet werden, während die reale Umgebung weiterhin sichtbar bleibt. Hinzu kommen eine 16-Megapixel-Kamera für Aufnahmen aus der Ich-Perspektive, integrierte Audiowiedergabe und ein Sprachassistent. Damit gehört die X2 zu einer deutlich komplexeren Geräteklasse als klassische Smartglasses, die sich hauptsächlich auf Kamera und Audio beschränken.
Binokulares Vollfarb-MicroLED-Display
Das zentrale Merkmal der RayNeo X2 ist ihr binokulares Vollfarb-MicroLED-Waveguide-Display. Beide Augen erhalten ein eigenes digitales Bild, das über transparente Lichtwellenleiter in das Sichtfeld projiziert wird. Dadurch können virtuelle Elemente über der realen Umgebung erscheinen, ohne dass die Brillengläser wie ein geschlossener Bildschirm wirken.
Die Displays arbeiten mit einer Auflösung von 640 × 480 Pixeln pro Auge. Das Sichtfeld beträgt ungefähr 25 Grad, die Pixeldichte rund 32 Pixel pro Grad. Damit eignet sich die X2 besonders für Texte, Pfeile, Benachrichtigungen, einfache Grafiken und kompakte AR-Elemente. Für großflächige virtuelle Monitore oder immersive Filmwiedergabe ist das Sichtfeld dagegen deutlich kleiner als bei speziellen XR-Display-Brillen.
Der Unterschied ist konzeptionell wichtig: Eine RayNeo Air oder GT möchte möglichst viel des Sichtfeldes mit einer virtuellen Leinwand füllen. Die X2 soll dagegen digitale Informationen in die reale Welt integrieren.
MicroLED mit hoher Helligkeit
MicroLED ist für transparente AR-Brillen besonders interessant, weil die Technologie eine hohe Leuchtdichte bei sehr kleinen Displays ermöglicht. RayNeo gibt in den technischen Produktangaben für die X2 eine Bildhelligkeit von bis zu 1.000 Nits und ein Kontrastverhältnis von 100.000:1 an.
Eine hohe Helligkeit spielt bei transparenten Waveguide-Brillen eine wesentlich größere Rolle als bei geschlossenen VR-Headsets. Digitale Inhalte müssen sich gegen das Licht der realen Umgebung durchsetzen. Besonders draußen können ansonsten virtuelle Texte oder Navigationselemente schnell an Sichtbarkeit verlieren.
In einem unabhängigen Praxistest von UploadVR blieb die Darstellung der X2 auch im Freien bei Sonnenlicht sichtbar. Gleichzeitig gehören Waveguide-Optiken dieser Generation technisch noch zu einer frühen Entwicklungsstufe und erreichen nicht die Bildfläche moderner VR- oder XR-Headsets.
16,7 Millionen Farben
Anders als viele einfache Head-up-Displays arbeitet die RayNeo X2 nicht nur mit einer einzelnen Anzeigefarbe. Das MicroLED-System kann laut RayNeo 16,7 Millionen Farben darstellen.
Dadurch können Navigationselemente, Anwendungen, Benutzeroberflächen und AR-Grafiken farblich voneinander unterschieden werden. Das macht die Brille vielseitiger als monochrome Smartglasses, deren Displays hauptsächlich für Text und einfache Symbole ausgelegt sind.
Die X2 war zudem eines der frühen Consumer-Produkte, das ein binokulares Vollfarb-MicroLED-Waveguide-Systemin einem Brillenformat kombinierte. TCL präsentierte die Technologie bereits als wichtigen Entwicklungsschritt hin zu alltagstauglichen AR-Brillen.
Eigenständige AR-Brille mit Snapdragon XR2
Im Inneren arbeitet Qualcomms Snapdragon XR2, ein speziell für Extended-Reality-Geräte entwickelter Prozessor. Unterstützt wird er von 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internem Speicher.
Dadurch unterscheidet sich die X2 deutlich von kabelgebundenen Display-Brillen. Anwendungen können direkt auf dem Gerät laufen, und Fotos sowie andere Daten lassen sich intern speichern. Die Brille kann zudem per WLAN auf Netzwerkdienste zugreifen.
Der Snapdragon XR2 wurde auch in wesentlich größeren XR-Geräten eingesetzt. In der X2 muss die Plattform jedoch mit erheblich strengeren Grenzen bei Wärmeentwicklung und Stromverbrauch auskommen, da Prozessor, Akku und Displays innerhalb eines relativ kompakten Brillenrahmens untergebracht sind.
Gerade darin zeigt sich sowohl die technische Ambition als auch der Charakter der X2 als frühe Generation eigenständiger AR-Brillen.
3D-Navigation direkt vor den Augen
Zu den wichtigsten Anwendungen der X2 gehört die AR-Navigation. Statt ständig auf ein Smartphone schauen zu müssen, können Richtungsinformationen innerhalb des Sichtfeldes dargestellt werden.
RayNeo kombiniert dafür GPS mit einem SLAM-System. SLAM steht für „Simultaneous Localization and Mapping“ und beschreibt eine Technologie, mit der ein Gerät seine Position bestimmen und gleichzeitig Informationen über seine Umgebung verarbeiten kann.
Navigationshinweise können als virtuelle Wegmarkierungen beziehungsweise Bodenindikatoren eingeblendet werden. Ergänzend stehen Sprachhinweise zur Verfügung. Auf diese Weise soll die Navigation stärker mit der tatsächlichen Umgebung verbunden werden als bei einer gewöhnlichen Karten-App auf dem Smartphone.
Das Konzept zeigt eine der klassischen Visionen von Augmented Reality: Informationen sollen nicht auf einem separaten Bildschirm betrachtet werden, sondern direkt an der Stelle erscheinen, an der sie relevant sind.
SLAM und räumliches Tracking
Die X2 kann digitale Inhalte nicht nur wie ein einfaches Head-up-Display anzeigen, sondern auch räumlich mit der Umgebung verbinden. Dafür nutzt sie ihre Sensorik und das SLAM-System.
Technisch unterstützt die Plattform räumlich getrackte AR-Anwendungen. Unabhängige Tests zeigen allerdings auch die Grenzen dieser ersten Generation: Das relativ kleine 25-Grad-Sichtfeld erschwert komplexere AR-Erlebnisse, da größere virtuelle Objekte schnell außerhalb des sichtbaren Bereichs liegen. Auch das räumliche Tracking erreicht nicht das Niveau größerer Mixed-Reality-Headsets.
Für einfache Navigationshinweise, Informationen oder kleinere AR-Anwendungen ist das System wesentlich besser geeignet als für ausgedehnte virtuelle Welten.
Damit steht die X2 technologisch zwischen Smartglasses und einem klassischen AR-Headset: deutlich leistungsfähiger als eine einfache Kamera-Brille, aber kompakter und dadurch optisch stärker eingeschränkt als größere Spatial-Computing-Systeme.
Echtzeitübersetzung direkt im Sichtfeld
Die RayNeo X2 unterstützt Echtzeitübersetzungen von Gesprächen. Gesprochene Sprache wird über die integrierten Mikrofone erkannt und die Übersetzung anschließend direkt auf den Displays dargestellt.
Dadurch kann ein Gesprächspartner weiterhin angesehen werden, während übersetzter Text wie Untertitel innerhalb des Sichtfeldes erscheint. RayNeo kombiniert die Funktion zudem mit Gesichtserkennung beziehungsweise Face Tracking, damit Übersetzungen stärker mit dem jeweiligen Gesprächspartner verknüpft werden können.
Gerade für Reisen oder internationale Gespräche gehört dies zu den interessantesten Anwendungen eines transparenten AR-Displays. Statt zwischen Gesprächspartner und Smartphone zu wechseln, bleiben Informationen dort sichtbar, wo sich ohnehin der Blick befindet.
KI-Assistent mit multimodalem Sprachmodell
RayNeo hat die X2 im Laufe ihrer Produktentwicklung zusätzlich um einen multimodalen KI-Assistenten erweitert. Das System kann per Sprache aktiviert werden und Fragen beantworten beziehungsweise auf Onlineinformationen zugreifen. Der Hersteller nennt dafür unter anderem ein multimodales LLM sowie GPT-4 mit Vision.
Die Kamera ermöglicht grundsätzlich auch die Verarbeitung visueller Informationen. Damit kann eine KI-Brille nicht nur auf gesprochene Fragen reagieren, sondern theoretisch auch Informationen über Dinge einbeziehen, die sich vor dem Nutzer befinden.
Im Vergleich zu aktuellen KI-Brillen ist die X2 dennoch als frühe Generation dieser Entwicklung einzuordnen. Ihr Schwerpunkt lag ursprünglich stärker auf AR, Navigation und Übersetzung; moderne Nachfolgemodelle verbinden KI-Dienste inzwischen deutlich tiefer mit dem Betriebssystem.
16-Megapixel-Kamera aus der Ich-Perspektive
In der Vorderseite befindet sich eine 16-Megapixel-Kamera, mit der Fotos und Videos aus der Perspektive des Trägers aufgenommen werden können. Videos werden mit bis zu 1080p aufgezeichnet. RayNeo nennt außerdem eine Anti-Shake-Stabilisierung.
Das Konzept eignet sich besonders für spontane Aufnahmen. Statt ein Smartphone hervorzuholen und auszurichten, kann die Szene ungefähr aus der Perspektive aufgezeichnet werden, aus der sie der Nutzer selbst sieht.
Eine Wisch- beziehungsweise Schiebegeste am Bügel ermöglicht laut RayNeo schnelle Aufnahmen sogar dann, wenn das Display selbst ausgeschaltet ist.
Dadurch verbindet die X2 zwei Smartglass-Konzepte in einem Gerät: Sie kann einerseits Informationen über ein echtes AR-Display darstellen und andererseits wie eine kamerabasierte Smartglass Fotos und Videos aufnehmen.
Statusanzeige bei Kameraaufnahmen
Da Kameras in Brillen besondere Fragen hinsichtlich Privatsphäre aufwerfen, besitzt die X2 eine mehrstufige LED-Statusanzeige. Diese informiert unter anderem über Foto- und Videoaufnahmen sowie den Akkustatus.
Eine solche Anzeige soll Personen in der Umgebung zumindest sichtbar machen, wenn die Kamera verwendet wird.
Unabhängig davon gelten bei Foto-, Video- und Audioaufnahmen natürlich die jeweiligen gesetzlichen Regeln und Persönlichkeitsrechte. Gerade bei Smartglasses ist es sinnvoll, Aufnahmen für andere Personen klar erkennbar zu machen.
Integrierte Lautsprecher
Neben dem Display besitzt die RayNeo X2 eine integrierte Audiolösung. Musik, Sprachhinweise, Anrufe und andere Audiosignale können direkt über die Brille wiedergegeben werden, ohne zwingend zusätzliche Kopfhörer zu benötigen.
RayNeo nutzt dafür eine offene Lautsprecherkonstruktion in den Bügeln. Zusätzlich gibt es einen Whisper Mode, der den Ton stärker auf den Träger konzentrieren und die Abstrahlung in die Umgebung reduzieren soll.
Gerade bei Navigation ist integriertes Audio sinnvoll: Richtungsinformationen können gleichzeitig optisch und akustisch ausgegeben werden, während die Ohren weiterhin für Verkehrs- und Umgebungsgeräusche offen bleiben.
Für wirklich private Inhalte bleibt eine offene Audiolösung allerdings prinzipbedingt weniger abgeschirmt als klassische In-Ear-Kopfhörer.
Drei integrierte Mikrofone
Für Sprachsteuerung, Telefonie, Übersetzungen und Videoaufnahmen verwendet die X2 ein System aus drei Mikrofonen.
Die Mikrofone sind ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts. Eine AR-Brille besitzt nur begrenzten Platz für klassische Bedienelemente. Sprache bietet deshalb eine Möglichkeit, Funktionen aufzurufen, ohne ständig am Bügel navigieren zu müssen.
Gleichzeitig bilden die Mikrofone die Grundlage für Echtzeitübersetzungen und den KI-Assistenten.
Steuerung direkt über die Brillenbügel
An beiden Bügeln befinden sich berührungsempfindliche Steuerungszonen. Der linke Bereich ist hauptsächlich für Medienfunktionen vorgesehen, während der rechte Bügel Systemfunktionen steuert.
Dadurch können beispielsweise Menüs bedient, Medien gesteuert oder bestimmte Funktionen aufgerufen werden, ohne das Smartphone verwenden zu müssen.
Zusätzlich unterstützt die X2 Sprachbefehle. Die Kombination aus Touch-Bedienung und Sprache ist gerade bei einer AR-Brille sinnvoll: Manche Funktionen lassen sich schnell durch eine Geste auslösen, während komplexere Aufgaben einfacher per Sprachbefehl gestartet werden können.
Optionaler RayNeo Ring
Eine dritte Bedienmöglichkeit ist der RayNeo Ring. Der separate Controller kann mit der X2 gekoppelt werden und dient anschließend als räumliches Eingabegerät.
RayNeo beschreibt das System als 3DoF-Ray beziehungsweise räumlichen Zeiger. Durch Bewegungen des Rings kann ein Cursor innerhalb der AR-Oberfläche gesteuert werden.
Gerade bei räumlichen Anwendungen ist ein solcher Controller präziser als reine Touchgesten am Brillenbügel. Gleichzeitig zeigt der Ring, dass eine kompakte AR-Brille weiterhin zusätzliche Eingabemöglichkeiten benötigt, sobald die Benutzeroberfläche komplexer wird.
AR-Spiele und Anwendungen
RayNeo liefert die X2 nicht ausschließlich mit Informationsfunktionen aus. Das System unterstützt auch AR-Anwendungen und Spiele.
Zu den von RayNeo gezeigten Beispielen gehören AR Bowling, Gluttonous Snake und das sogenannte Ethereal Drum, bei dem visuelle Hinweise beim Erlernen beziehungsweise Spielen eines Instruments helfen sollen.
Darüber hinaus können Entwickler eigene Anwendungen für die Plattform erstellen. Die X2 erlaubt außerdem das Installieren geeigneter APK-Dateien über ADB, wodurch die Brille offener als viele vollständig geschlossene Wearable-Plattformen ausfällt.
Allerdings ist nicht automatisch jede Android-App für ein kleines transparentes AR-Display geeignet. Anwendungen müssen hinsichtlich Bedienung, Seitenverhältnis und Darstellung auf die besonderen Eigenschaften der Brille abgestimmt sein.
128 GB interner Speicher
Mit 128 GB internem Speicher besitzt die X2 für eine Smartglass vergleichsweise viel Platz.
Der Speicher wird für das Betriebssystem, Anwendungen, Fotos, Videos und andere lokale Inhalte verwendet. Gerade die integrierte Kamera profitiert davon, weil Aufnahmen nicht unmittelbar auf ein Smartphone übertragen werden müssen.
Hinzu kommen 6 GB RAM, die dem Snapdragon XR2 für System- und AR-Anwendungen zur Verfügung stehen.
Damit besitzt die X2 intern eine Hardwareausstattung, die wesentlich näher an einem eigenständigen Mobilgerät liegt als an einer einfachen Zubehörbrille.
Wi-Fi, Bluetooth und GPS
Für die Verbindung stehen Wi-Fi 5 und Bluetooth 5.2 zur Verfügung. Darüber hinaus integriert RayNeo GPS, was insbesondere für Navigationsfunktionen relevant ist.
Die X2 kann dadurch sowohl mit einem Smartphone kommunizieren als auch eigenständig Netzwerk- und Standortfunktionen nutzen.
Für die erstmalige Einrichtung wird dennoch die RayNeo-App benötigt. Die Brille wird zunächst mit einem Smartphone gekoppelt, über das beispielsweise auch WLAN-Zugangsdaten eingegeben werden können. RayNeo weist darauf hin, dass eine direkte Texteingabe für diesen Einrichtungsschritt über die Brille selbst nicht vorgesehen ist.
Unterstützung für Android und iOS
Die RayNeo-X-App steht grundsätzlich für Android und iOS zur Verfügung. Laut RayNeo sind für die Verbindung Bluetooth 5.2 und Wi-Fi 5 vorgesehen; neuere Android- und iOS-Versionen werden für einen stabileren Betrieb empfohlen.
Das Smartphone übernimmt vor allem Einrichtung, Konfiguration und bestimmte verbundene Funktionen. Im Unterschied zu einer klassischen Display-Brille muss es jedoch nicht dauerhaft ein Videosignal an die X2 übertragen.
Die eigentliche AR-Plattform befindet sich innerhalb der Brille.
590-mAh-Akku
Die gesamte Hardware wird über einen integrierten 590-mAh-Akku versorgt.
Für eine vollständig eigenständige AR-Brille ist das vergleichsweise wenig Kapazität, gleichzeitig wäre ein größerer Akku innerhalb der Bügel mit zusätzlichem Gewicht verbunden. Frühere technische Angaben nennen ungefähr drei Stunden kontinuierliche Nutzung, während unabhängige Praxistests bei intensiver permanenter Display-Nutzung teilweise eher ein bis zwei Stunden erreichten. Bei hauptsächlich Audio und gelegentlichen Kameraaufnahmen waren längere Laufzeiten möglich.
Die Akkulaufzeit gehört deshalb zu den größten praktischen Grenzen dieser Generation. Navigation, MicroLED-Displays, Kamera, WLAN und Snapdragon-XR-Prozessor benötigen deutlich mehr Energie als einfache Audio-Smartglasses.
Kein Kabel während der Nutzung
Trotz der vergleichsweise kurzen Akkulaufzeit besitzt die X2 einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen XR-Display-Brillen: Während der Nutzung ist kein Verbindungskabel erforderlich.
Rechenleistung, Speicher, Sensorik und Akku sitzen direkt innerhalb der Brille. Dadurch kann die X2 beim Gehen und bei Navigation wesentlich freier verwendet werden als ein Modell, das permanent mit Smartphone oder Computer verbunden sein muss.
Gerade für echte Augmented-Reality-Anwendungen ist diese kabellose Konstruktion nahezu Voraussetzung. Ein Kabel zum Smartphone würde den Anspruch einer dauerhaft tragbaren AR-Brille deutlich einschränken.
Rund 119 Gramm Gewicht
Die RayNeo X2 gehört mit ungefähr 119 Gramm nicht zu den leichtesten Smartglasses. Der Wert stammt aus unabhängigen beziehungsweise früheren technischen Angaben; RayNeo selbst nennt auf der aktuellen europäischen Produktseite kein offizielles Gewicht.
Der Grund für das höhere Gewicht liegt in der umfangreichen Hardware. Zwei MicroLED-Projektoren, Waveguides, Snapdragon XR2, Akku, Kamera, Lautsprecher und Sensoren müssen vollständig im Rahmen untergebracht werden.
Zum Vergleich: Moderne kamera- oder HUD-basierte Smartglasses können inzwischen deutlich unter 80 Gramm liegen. Die X2 zeigt damit auch, wie anspruchsvoll eine echte autonome Vollfarb-AR-Brille technisch ist.
Korrektionsgläser werden unterstützt
Die RayNeo X2 kann auch von Brillenträgern verwendet werden. Im Lieferumfang beziehungsweise Zubehörsystem sind Muster beziehungsweise Einsätze für Korrektionsgläser vorgesehen, die von einem Optiker individuell angepasst werden können. RayNeo verweist zudem auf entsprechende Partner für individuell gefertigte Gläser.
Damit kann die X2 grundsätzlich an unterschiedliche Sehstärken angepasst werden, ohne eine zusätzliche normale Brille darunter tragen zu müssen.
Gerade bei AR-Brillen ist eine passende Sehkorrektur wichtig, weil virtuelle Informationen gleichzeitig mit der realen Umgebung scharf wahrgenommen werden müssen.
RayNeo X2 als frühe echte AR-Brille
Die größte Besonderheit der RayNeo X2 liegt weniger in einer einzelnen Spezifikation als in der Kombination ihrer Komponenten. Sie verbindet transparentes Vollfarb-MicroLED, eigenständige Rechenleistung, Kamera, GPS, SLAM, Audio, KI und räumliche Anwendungen in einem Gerät, das zumindest grundsätzlich die Form einer normalen Brille beibehält.
Gleichzeitig macht die X2 deutlich, welche Kompromisse frühe echte AR-Brillen noch eingehen mussten. Das Sichtfeld ist mit rund 25 Grad klein, das Gewicht vergleichsweise hoch und die Akkulaufzeit bei intensiver Nutzung begrenzt. Ein unabhängiger Test von UploadVR sah deshalb vor allem das Head-up-Display, Navigation und ähnliche kompakte Anwendungen als sinnvoller an als komplexe räumliche AR-Erlebnisse.
Für die Entwicklung des Smartglass-Marktes ist die X2 dennoch interessant: Sie gehört zu den Geräten, die früh zeigten, dass Vollfarb-Waveguide-AR in einem kabellosen Brillenformat grundsätzlich möglich ist.
RayNeo X2 gegenüber RayNeo Air und GT
Die X2 sollte nicht mit den Modellen RayNeo Air oder RayNeo GT verwechselt werden. Diese sind in erster Linie Display-Brillen, die ein externes Videosignal von Smartphone, Notebook oder Gaming-Handheld darstellen.
Die X2 verfolgt dagegen echte Augmented Reality. Ihre Displays sind transparent und für kleinere virtuelle Informationen innerhalb der realen Umgebung ausgelegt. Gleichzeitig besitzt sie einen eigenen Prozessor, Akku, Kamera, GPS und Sensoren.
Dafür eignet sie sich deutlich weniger als persönlicher Kinobildschirm. Das Sichtfeld von rund 25 Grad ist für Filme und große virtuelle Monitore wesentlich kleiner als die 46 bis 59 Grad aktueller RayNeo-Display-Brillen.
Die beiden Produktklassen lösen somit unterschiedliche Aufgaben: Air und GT ersetzen einen Bildschirm, während die X2 digitale Informationen mit der Umgebung verbinden möchte.
RayNeo X2 gegenüber RayNeo X3 Pro
Die inzwischen erschienene RayNeo X3 Pro führt das Grundkonzept der X2 weiter. RayNeo hat dabei unter anderem Gewicht, Kamera, KI-Plattform und optisches System weiterentwickelt. Die X3 Pro wiegt offiziell rund 76 Gramm und setzt auf eine modernere Snapdragon-AR1-Plattform, während die ältere X2 ungefähr 119 Gramm erreicht und den Snapdragon XR2 verwendet.
Auch bei der Kamera hat sich das Konzept verändert. Die X2 verwendet einen 16-Megapixel-Sensor und nimmt Videos in 1080p auf, während die neuere Generation auf ein aktualisiertes Kamerasystem setzt.
Die X2 bleibt damit vor allem als wichtige erste Generation innerhalb der RayNeo-X-Serie interessant.
Verfügbarkeit der RayNeo X2
RayNeo führte die X2 ursprünglich als Consumer-AR-Brille ein. Auf der europäischen Produktseite wird sie aktuell für 799 Euro gelistet, ist jedoch als ausverkauft gekennzeichnet. Neuere RayNeo-Unterlagen bezeichnen das Modell inzwischen als nicht mehr regulär erhältliche beziehungsweise eingestellte Vorgängergeneration.
Für Käufer ist deshalb vor allem der Gebrauchtmarkt beziehungsweise vorhandener Restbestand relevant. Wer aktuell eine neue RayNeo-AR-Brille sucht, findet mit neueren Modellen technisch weiterentwickelte Alternativen.
Für eine Produktdatenbank wie Pixelversum bleibt die X2 dennoch besonders relevant, weil sie einen wichtigen Entwicklungsschritt von einfachen Smartglasses hin zu eigenständig arbeitenden Vollfarb-AR-Brillen dokumentiert.
Für wen eignet sich die RayNeo X2?
Die RayNeo X2 richtet sich vor allem an Technik-Enthusiasten, Entwickler und Nutzer, die echte transparente Augmented Reality in Brillenform ausprobieren möchten. Navigation, Live-Übersetzungen, Kameraaufnahmen, Benachrichtigungen und kleinere AR-Anwendungen zeigen, was eine Smartglass leisten kann, wenn sie nicht nur Kamera oder Audio, sondern auch ein echtes Display integriert.
Für Filme, klassische PC-Arbeit oder einen besonders großen virtuellen Bildschirm sind Air- und GT-Modelle besser geeignet. Nutzer, denen möglichst geringes Gewicht, lange Akkulaufzeit und moderne KI-Funktionen wichtiger sind, sollten wiederum neuere Smartglasses in Betracht ziehen.
Die X2 ist vor allem als frühe eigenständige Vollfarb-AR-Brille spannend. Sie zeigt sowohl das Potenzial transparenter MicroLED-Waveguides als auch die technischen Herausforderungen, die bei Displaygröße, Akkulaufzeit und Gewicht noch gelöst werden müssen.
Technische Daten der RayNeo X2
| Eigenschaft | RayNeo X2 |
|---|---|
| Produkttyp | autonome AR-/KI-Brille |
| Display | binokulares Vollfarb-MicroLED |
| Optik | optischer Waveguide |
| Auflösung | 640 × 480 Pixel pro Auge |
| Sichtfeld | ca. 25° |
| Pixeldichte | ca. 32 PPD |
| Displayfarben | bis 16,7 Millionen |
| Helligkeit | bis ca. 1.000 Nits laut technischer Produktangabe |
| Kontrast | 100.000:1 |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon XR2 |
| Arbeitsspeicher | 6 GB |
| Speicher | 128 GB |
| Kamera | 16 MP |
| Video | bis 1080p |
| Bildstabilisierung | Anti-Shake |
| AR-Tracking | SLAM-basiert |
| Navigation | GPS + AR-/3D-Navigation |
| Übersetzung | Echtzeit-Dialogübersetzung |
| KI | multimodaler KI-Assistent |
| Audio | integrierte offene Lautsprecher |
| Mikrofone | 3 |
| Privater Audiomodus | Whisper Mode |
| Bedienung | Touch-Bügel, Sprache, optional RayNeo Ring |
| Sensoren | Beschleunigungssensor, Gyroskop, Kompass, Drucksensor |
| WLAN | Wi-Fi 5 |
| Bluetooth | Bluetooth 5.2 |
| GPS | integriert |
| Smartphone-App | RayNeo AR |
| Android/iOS | unterstützt |
| Akku | 590 mAh |
| Typische intensive Nutzung | etwa 1–3 Stunden, abhängig vom Einsatz |
| Gewicht | ca. 119 g laut unabhängigen technischen Angaben |
| Korrektionsgläser | unterstützt |
| Abmessungen geöffnet | 190,5 × 165,5 × 66,5 mm |
| Abmessungen gefaltet | 60 × 165,5 × 66,5 mm |
| Aktueller Status | nicht mehr regulär verfügbar / ausverkauft |
| Hauptanwendungen | AR-Navigation, Übersetzung, Kamera, KI, Benachrichtigungen, AR-Apps |
Quellen:
- https://www.heise.de/news/RayNeo-X2-und-Nxtwear-S-Mehr-AR-und-VR-von-TCL-7448747.html
- https://www.notebookcheck.com/RayNeo-X2-1-500-Nits-helle-AR-Brille-soll-quasi-ein-Google-Glass-fuer-den-Massenmarkt-sein-und-ist-ab-sofort-guenstig-bestellbar.807948.0.html
- https://www.notebookcheck.com/Mit-Micro-LED-Die-TCL-RayNeo-X2-ist-eine-besonders-smarte-Brille-mit-XR2-Echtzeit-UEbersetzung-und-AR-Navigation.760561.0.html
- https://mixed.de/rayneo-veroeffentlicht-die-ar-brille-x2-mit-ki-unterstuetzung/
- https://mixed.de/tcl-stellt-leichte-daten-video-und-vr-brillen-vor/