Samsung

Samsung gehört zu den größten und technologisch breitesten Elektronikkonzernen der Welt und spielt inzwischen auch bei Extended Reality, Spatial Computing, Wearables und AI Glasses eine immer wichtigere Rolle. Samsung Electronics wurde 1969 gegründet und entwickelte sich von einem Hersteller klassischer Unterhaltungselektronik zu einem Konzern, der heute unter anderem Smartphones, Tablets, Fernseher, Displays, Speicherchips, Prozessoren, Kamerasensoren, Smartwatches und andere vernetzte Geräte entwickelt. Besonders wichtig ist dabei die ungewöhnlich breite technologische Basis des Unternehmens: Samsung produziert nicht nur fertige Endgeräte, sondern entwickelt über verschiedene Geschäftsbereiche auch zentrale Komponenten wie OLED-Displays, Speicher und Halbleiter. Dadurch besitzt das Unternehmen viele Technologien selbst, die für zukünftige Wearables und räumliche Computer entscheidend sind.

Im mobilen Bereich wurde vor allem die Galaxy-Familie zum Zentrum des Samsung-Ökosystems. Smartphones der Galaxy-S- und Galaxy-Z-Reihe, Tablets, Galaxy Watch, Galaxy Buds und weitere Geräte werden zunehmend über gemeinsame Software, Sensoren und künstliche Intelligenz miteinander verbunden. Gleichzeitig investiert Samsung stark in Galaxy AI, um KI nicht nur als einzelne App, sondern als grundlegende Ebene innerhalb dieses Geräteverbunds zu etablieren. Die Galaxy Watch übernimmt dabei beispielsweise immer stärker die Rolle eines kontinuierlich getragenen Sensors, der Bewegungs-, Schlaf- und andere Wellnessdaten erfasst und mit AI-gestützten Auswertungen kombiniert. Für Samsung entsteht dadurch schrittweise ein persönliches Computing-Ökosystem, in dem Smartphone, Uhr, Kopfhörer und künftig auch Brillen unterschiedliche Informationen erfassen und situationsabhängig miteinander austauschen können.

Samsung beschäftigt sich allerdings schon wesentlich länger mit immersiver Hardware. Einen ersten bedeutenden Schritt machte das Unternehmen 2014 gemeinsam mit Oculus mit der Samsung Gear VR. Dabei wurde ein kompatibles Galaxy-Smartphone direkt in ein VR-Headset eingesetzt und übernahm Display und Rechenleistung. Das Konzept war aus heutiger Sicht technisch vergleichsweise einfach, spielte für die Entwicklung mobiler Virtual Reality jedoch eine wichtige Rolle. Hochauflösende AMOLED-Smartphone-Displays, präzise Bewegungssensoren und mobile Prozessoren ermöglichten erstmals ein vergleichsweise leicht zugängliches VR-System ohne Gaming-PC. Die Zusammenarbeit mit Oculus zeigte früh, dass Samsung Virtual Reality nicht nur als Spezialtechnik für leistungsfähige Computer betrachtete, sondern als mögliche Erweiterung mobiler Geräte.

2017 beziehungsweise 2018 folgte mit dem Samsung HMD Odyssey ein deutlich leistungsfähigeres PC-basiertes Headset für Microsofts Windows-Mixed-Reality-Plattform. Zwei AMOLED-Displays mit jeweils 1.440 × 1.600 Pixeln, ein Sichtfeld von rund 110 Grad, integrierte AKG-Kopfhörer und Inside-out-Tracking machten das System zu einem der technisch stärkeren Windows-Mixed-Reality-Headsets seiner Generation. Anders als bei klassischen SteamVR-Systemen waren keine externen Trackingstationen notwendig. Kameras im Headset erfassten die räumliche Position und die Controller direkt. Auch wenn Samsung diese Produktlinie später nicht dauerhaft weiterführte, sammelte das Unternehmen damit bereits früh Erfahrungen mit Displays, Ergonomie, Tracking und vollständigen XR-Systemen.

Die heutige XR-Strategie unterscheidet sich jedoch deutlich von diesen frühen Experimenten. Gemeinsam mit Google und Qualcomm entwickelte Samsung die Plattform Android XR, die von Beginn an für Headsets, Smartglasses und weitere räumliche Geräte ausgelegt wurde. Das erste kommerzielle Produkt dieser Plattform ist Samsung Galaxy XR, das im Oktober 2025 vorgestellt wurde. Samsung betrachtet das Headset nicht nur als VR-Gerät, sondern als AI-native räumliche Computerplattform. Gemini ist direkt auf Systemebene integriert und kann Sprache, visuelle Informationen und räumlichen Kontext miteinander verbinden. Die Bedienung erfolgt unter anderem über Augenbewegungen, Hände und Sprache. Das Headset kann dabei erfassen, was der Nutzer sieht und hört, und diese Informationen für kontextbezogene KI-Funktionen verwenden. Android XR wiederum ist bewusst als skalierbare Plattform ausgelegt, die künftig nicht nur große Headsets, sondern auch deutlich kleinere AI- und AR-Brillen unterstützen soll.

Technisch positioniert Samsung das Galaxy XR klar im oberen Bereich aktueller Standalone-XR-Systeme. Zwei Micro-OLED-Displays arbeiten mit jeweils 3.552 × 3.840 Pixeln und erreichen zusammen rund 27 Millionen Bildpunkte. Das Sichtfeld beträgt laut Samsung 109 Grad horizontal und 100 Grad vertikal, während Bildwiederholraten von bis zu 90 Hz unterstützt werden. Als Rechenplattform dient Qualcomms Snapdragon XR2+ Gen 2, kombiniert mit 16 GB Arbeitsspeicher. Zwei Kameras erfassen die Umgebung für Farb-Passthrough, weitere Trackingkameras bestimmen die Position im Raum, vier Kameras dienen dem Eye-Tracking und zusätzlich ist ein Tiefensensor integriert. Die externe Batterie reduziert das Gewicht direkt am Kopf und ermöglicht laut Samsung etwa zwei Stunden normale Nutzung beziehungsweise bis zu zweieinhalb Stunden Videowiedergabe.

Gerade die Verbindung aus Micro-OLED, Passthrough, Eye-Tracking und multimodaler KI zeigt, wohin Samsung Spatial Computing entwickeln möchte. Galaxy XR kann klassische Android-Anwendungen innerhalb eines räumlichen Interfaces darstellen und gleichzeitig speziell entwickelte XR-Anwendungen ausführen. Google Maps lässt sich beispielsweise räumlich erkunden, YouTube-Inhalte können auf großen virtuellen Flächen dargestellt werden und Circle to Search kann über die reale Umgebung verwendet werden. Da Android XR auf Standards wie OpenXR aufsetzt und bestehende Android-Anwendungen grundsätzlich einbindet, versucht Samsung gemeinsam mit Google ein breiteres Softwareökosystem aufzubauen, statt lediglich einen proprietären App-Store für ein einzelnes Headset zu etablieren. Seit 2026 wird Android XR zudem um Funktionen wie Android Enterprise erweitert, wodurch Galaxy XR verstärkt auch für Unternehmen und professionelle Anwendungen positioniert werden kann.

Noch wichtiger für die langfristige Strategie sind jedoch Smart Glasses. Samsung stellte im Juli 2026 seine erste Generation intelligenter Brillen vor und bezeichnet AI Glasses ausdrücklich als mögliche nächste Schnittstelle für mobile künstliche Intelligenz. Anders als Galaxy XR sollen diese Geräte nicht primär vollständige immersive Räume erzeugen, sondern wie eine normale Brille über längere Zeit getragen werden können. Samsung konzentriert sich deshalb stark auf Gewicht, Wärmeentwicklung, Akkueffizienz, Materialwahl und Passform. Die Brille integriert Kamera, Mikrofone und Lautsprecher und kann dadurch erfassen, was der Nutzer sieht und hört. Gemini kann diesen Kontext beispielsweise für Anleitungen, Übersetzungen oder andere situationsabhängige Unterstützung verwenden. Samsung betont dabei, dass die Brillen das Smartphone zunächst nicht ersetzen sollen, sondern dessen Funktionen so ergänzen, dass für bestimmte Aufgaben deutlich seltener auf einen Bildschirm geschaut werden muss.

Besonders interessant ist dabei Samsungs Split-Computing-Ansatz. Nicht sämtliche Rechenleistung muss direkt im dünnen Brillengestell stattfinden. Ein Teil der Verarbeitung kann von einem verbundenen Galaxy-Smartphone übernommen werden, wodurch Stromverbrauch, Wärmeentwicklung und Gewicht reduziert werden können. Gleichzeitig lassen sich weitere Galaxy-Geräte einbeziehen. Die Smart Glasses können mit der Galaxy Watch und Galaxy Buds zusammenarbeiten; bestimmte Funktionen lassen sich beispielsweise über Gesten am Handgelenk steuern. Samsung gibt für die erste Smartglasses-Generation bis zu neun Stunden aktive Nutzung an, während das Ladecase mehr als sieben vollständige Ladevorgänge ermöglichen soll. Damit behandelt Samsung die Brille nicht als isoliertes Gadget, sondern als weiteres Element innerhalb eines größeren persönlichen Geräteverbunds.

Diese Strategie passt besonders gut zu Samsungs technologischer Struktur. Das Unternehmen besitzt umfangreiche Erfahrung mit OLED- und Micro-OLED-Displays, mobilen Prozessoren, Kamerasensoren, Speichertechnologien, Smartphones, Smartwatches und drahtlosen Audiogeräten. Viele der größten technischen Probleme zukünftiger Smartglasses – Gewicht, Energieverbrauch, Displayhelligkeit, Wärmeentwicklung, Bildsensorik und Miniaturisierung – liegen damit genau in Bereichen, in denen Samsung bereits seit Jahren eigene Technologien entwickelt. Gleichzeitig muss Samsung nicht jede Softwareplattform selbst aufbauen. Durch die Zusammenarbeit mit Google entsteht mit Android XR ein Ökosystem, das bekannte Android-Anwendungen, Gemini und vorhandene Entwicklerwerkzeuge mit neuer räumlicher Hardware verbinden kann. Qualcomm liefert wiederum spezialisierte XR- und Wearable-Prozessoren. Dadurch entsteht eine Arbeitsteilung, die an die Entwicklung des klassischen Android-Smartphones erinnert, allerdings diesmal für räumliche und körpernahe Computer.

Samsung nimmt damit innerhalb des XR-Marktes eine besondere Position ein. Während Meta ein stark eigenes Hardware- und Plattformökosystem rund um Quest und seine AI Glasses entwickelt und Apple Hard- und Software der Vision Pro weitgehend vollständig selbst kontrolliert, setzt Samsung stärker auf ein offenes Partnernetzwerk aus eigener Hardware, Google-Software und Qualcomm-Chips. Galaxy XR bildet dabei nur den ersten Schritt. Samsung hat bereits ausdrücklich angekündigt, Android XR über unterschiedliche Formfaktoren hinweg auszubauen und AI Glasses als wichtigen Teil dieser Strategie zu betrachten.

Damit entwickelt sich Samsung von einem klassischen Hersteller von Smartphones, Displays und Unterhaltungselektronik zunehmend zu einem Anbieter neuer persönlicher Computerplattformen. Von Gear VR über HMD Odyssey bis zu Galaxy XR und den Smart Glasses von 2026 lässt sich eine klare Entwicklung erkennen: Immersive Technologie wird kleiner, intelligenter und stärker mit dem bestehenden mobilen Ökosystem verbunden. Entscheidend ist dabei inzwischen nicht mehr ausschließlich die Darstellung virtueller Welten. Multimodale KI, Computer Vision, Eye-Tracking, räumliche Interfaces und kontextbezogene Assistenz rücken immer stärker in den Mittelpunkt. Langfristig könnten sich Galaxy-Smartphone, Galaxy Watch, Buds, XR-Headset und intelligente Brille zu unterschiedlichen Zugängen zu derselben persönlichen AI-Plattform entwickeln. Gerade die Kombination aus eigener Hardwarekompetenz und Android XR macht Samsung deshalb zu einem der Unternehmen, die entscheidend mitbestimmen könnten, wie der Übergang vom klassischen mobilen Display zu Spatial Computing und dauerhaft tragbaren AI-Interfaces aussehen wird.