OpenAI kauft Start-up von Jony Ive: Der Weg zur eigenen KI-Hardware beginnt

Als OpenAI im Mai 2025 offiziell bekannt gab, das junge Hardware-Start-up io Products, Inc. übernommen zu haben, war klar: Der KI-Pionier wagt einen strategischen Schritt, der die Technikwelt aufhorchen lässt. Rund 6,5 Milliarden US-Dollar fließen in ein Unternehmen, das 2024 von Jony Ive und weiteren ehemaligen Apple-Designern gegründet wurde. Damit verfügt OpenAI erstmals über ein eigenes, hochkarätiges Hardware-Team – und die Ambition, eine völlig neue Geräteklasse zu erschaffen.


Wer hinter dem Deal steht

Jony Ive ist einer der prägendsten Produktdesigner der vergangenen Jahrzehnte. Unter seiner Leitung entstanden bei Apple Kultgeräte wie iPhone, iPad oder iMac. Nach seinem Abschied gründete er das Design-Studio LoveFrom sowie das Hardware-Start-up io Products, das sich der Frage widmete, wie die nächste Generation von Computern aussehen könnte.

Mit der Übernahme gehen rund 55 Spezialisten zu OpenAI über – darunter Hardware-Ingenieure, Fertigungsexperten und Interface-Designer. LoveFrom bleibt unabhängig, übernimmt jedoch die kreative Leitung für alle kommenden OpenAI-Produkte. OpenAI erhält damit nicht nur Know-how, sondern eine sofort einsatzfähige, erfahrene Produkt-DNA.


Warum OpenAI Hardware bauen will

Der Kern der Überlegung ist einfach: KI wird immer leistungsfähiger, doch die Endgeräte, über die wir sie nutzen, stammen noch aus der Vor-KI-Ära. Smartphones, Laptops und Tablets sind nicht darauf ausgelegt, mit großen Modellen im Alltag zu verschmelzen. Sie sind bildschirmzentriert, app-orientiert und menschlich bedient – während KI zunehmend selbstständig arbeitet, wahrnimmt und kontextbezogen reagiert.

OpenAI verfolgt das Ziel, diese Lücke zu schließen. KI soll in den Alltag hineinwachsen, ohne dass Nutzer ständig tippen, wischen oder suchen. Die Übernahme von io Products ist die Grundlage, um solche Geräte nicht nur zu denken, sondern tatsächlich zu entwerfen, zu testen und irgendwann in Serie zu bringen.


Was über die geplante Hardware bekannt ist

Konkrete Produktankündigungen gibt es nicht. Doch aus Berichten und Hintergrundgesprächen lassen sich einige Linien erkennen:

  • Das erste Gerät wird nicht als Smartphone oder Brille positioniert.
  • Es soll ein neues Konzept sein, das im Raum oder auf dem Tisch arbeitet und KI ohne klassischen Bildschirm verfügbar macht.
  • Sensorik, Audio-Erkennung und möglicherweise minimale visuelle Interfaces könnten eine Rolle spielen.
  • Ziel ist ein sogenanntes Ambient-AI-Device – ein Gerät, das unaufdringlich präsent ist, Bedürfnisse antizipiert und situativ reagiert.
  • Erste Prototypen könnten 2026 vorgestellt werden.

Damit bewegt sich OpenAI bewusst weg von aktuellen Trends wie AR-Headsets oder Wearables. Stattdessen soll ein eigenständiges Format entstehen, das KI selbstverständlich macht – eine Art Alltagsbegleiter, der nicht wie ein weiteres Gadget wirkt.


Die Herausforderungen dieses Ansatzes

Ein neues Gerät zu etablieren, ist eines der schwierigsten Unterfangen im Tech-Sektor. OpenAI steht vor mehreren Hürden:

  • Nutzer müssen das Konzept verstehen und einen praktischen Mehrwert erkennen.
  • Hardware-Entwicklung ist kostenintensiv, komplex und fehleranfällig.
  • Konkurrenz durch Apple, Google und andere etablierte Hersteller ist enorm.
  • Es muss ein ökonomisch tragfähiges Ökosystem entstehen, nicht nur ein einzelnes Gerät.

Der Erfolg hängt also nicht nur von Design und Technologie ab, sondern auch von der Frage, ob Menschen bereit sind, ein neues Produkt in ihren Alltag zu integrieren.


Was dieser Schritt für die Zukunft bedeutet

Für die Tech-Welt markiert dieser Deal einen Wendepunkt. Nachdem KI-Modelle lange Zeit rein softwaregebunden waren, entsteht nun die Möglichkeit, KI in physischer Form neu zu denken. Nicht als Erweiterung bestehender Geräte, sondern als eigenständige Plattform.

Für OpenAI könnte dies der nächste große Entwicklungssprung sein: weg vom Softwareanbieter, hin zu einem ganzheitlichen Hardware-KI-Ökosystem. Für Nutzer bedeutet es möglicherweise eine neue Art der Interaktion – weniger Bildschirm, mehr Kontext, weniger Ablenkung, mehr Unterstützung.

Eines ist sicher: Die Übernahme des Ive-Start-ups ist kein isolierter Schritt. Sie ist der Beginn eines langfristigen Plans. Ein Plan, der darauf abzielt, wie wir Computer künftig wahrnehmen, nutzen und in unser Leben integrieren. OpenAI betritt damit ein Feld, das enormes Potenzial bietet – und ebenso große Verantwortung.


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